Oftmals hat sich in dem jungen Weibe der Trotz aufbäumen wollen, wenn ihr so sehr Unrecht geschah; dann aber sagte sie wieder: Nur noch ein Eichtel Zeit hab’ Geduld, ’leicht kommt noch ein Friedensengel in’s Haus. Bös’ und schlecht ist er ja doch nicht, mein Mann, nur herb und ein wenig wunderlich; mein Gott, er hat seine Sorgen und Aergerniß in der Wirthschaft. —-

In der Wirthschaft stellte der Seizmüller seinen ganzen Mann. In der Mühle klapperten allfort vier Gänge und daneben ging eine emsige Brettersäge. Dann war auch eine Stampfe für Leinsamen dabei, die jedesmal im Winter, wenn die Säge stillstand, viel verdiente. Die Aecker und Wiesen, die zur Mühle gehörten, wurden gut bewirthschaftet. Freilich that auch die Walpa viel dazu, um durch Güte die Dienstleute und Mühljungen zu beschwichtigen, wenn sie die Grobheit und Unbilligkeit des Müllers zu vertreiben drohte.

Bei solch’ einer Gelegenheit, als sie einem Mühlburschen, der in der Kammer seit einigen Tagen krank lag, eine kräftigende Fleischbrühe zuschanzte, die sonst nicht gebräuchlich war, bekam die Walpa von ihrem Manne den ersten Schlag. „Heimlichkeiten mit dem Mühljungen!“ gurgelte er, berauscht von Wein, dem er immer mehr und mehr zusprach, „wächst sich die Kellnerinliebelei so aus? Walpa, Walpa, Dich muß man anders biegen, mit Gütigkeit richtet man bei Dir nichts!“

Unter Weinen lachte sie auf. — Mit Gütigkeit! so sagte Der, von dem sie kaum ein einzig freundlich Wort noch gehört hatte.

Sonst war sie zu ihrem Vater gegangen, um sich an seiner Brust auszuweinen. Jetzt, ein Jahr nach der Müllershochzeit, lag der Wiesenwirth unter der Erde. In seinem Keller war er todt gefunden worden. Da klagte sie ihre Noth anderen Leuten, und darüber sagte ihr der Gatte einmal: „Du bist schon ein fürnehm Ehweib Du, gehst von Haus zu Haus und bringst Deinen Mann um den guten Namen, machst mich zum Tyrann, zum Wildfang, zu was weiß Gott Alles! Du, Walpa, ich sag’ Dir’s, gieb Obacht, daß es nicht wahr wird, was Du sprichst!“

„O, das ist lang’ schon wahr!“ rief sie aus, „und ich weiß nicht, wie ich mich denn so versündigt hab’, daß ich an einen solchen Menschen hab’ müssen gebunden werden. Kein größeres Kreuz auf der Welt!“

„Ja freilich, winseln und flennen, das ist noch Dein Bestes. Du Betteldirn!“ Und er stieß sie hintan, daß ihr Leib an die Kante des Herdes fiel und sie zusammenbrach.

„So — so —“ stammelte sie mit dumpfer Stimme, „an mir — weiß ich wohl, daß Dir nichts gelegen ist, aber daß Du Dein Kind im Mutterleib — —“

Da lachte er auf und meinte, das müsse man erst untersuchen, ob es sein.

Das Weib lag in einer Ohnmacht.