Tagelang schwebte sie zwischen Leben und Tod, und als sie endlich — der Gatte hatte sie in der Krankenstube kaum ein einzigmal besucht — insoweit gerettet war, daß sie wieder zu denken und zu sinnen vermochte, seufzte sie ein- um das anderemal: „Das ist eine Ehe! o Gott, mein Gott, verlaß’ mich nicht!“

Und im Traume hörte sie das Posthorn klingen; da rief sie mehrmals laut den Namen Blasius. Und aufwachend flehte sie zur Mutter Gottes: „Bewache mich, daß dieses Wort nicht noch einmal über meine Lippen kommt, sonst ist’s mein Verderben.“

Als sie wieder so weit genesen war, daß sie — ein Schatten gegen früher — in das Freie wanken konnte, suchte sie den Pfarrer auf und fragte ihn, ob es denn gar kein Mittel gebe, daß sie von diesem Menschen, dem Seizmüller, wieder befreit würde. Der geistliche Herr riß die Achseln empor und gab ihr schöne Lehren.

„Ei, ei,“ unterbrach ihn die Walpa, „was der Herr da sagt, das hab’ ich lang’ schon gewußt und gethan. Scheiden lassen will ich mich.“

Der Pfarrer machte ein saures Gesicht und lächelte. — „Scheiden lassen — das ist leicht gesagt, meine liebe Seizmüllerin. Von Tisch und Bett könnt’ Ihr Euch trennen, aber vor Gott seid Ihr doch ein Ehepaar.“

„Vor Gott sind wir nie ein Ehepaar gewesen!“ sagte das Weib, „ich bin schier mit Gewalt in diese Ehe hineingedrängt worden, mein Herz hat nichts davon gewußt, und immer ist es nicht gut, wenn das Kind seinen Eltern folgt!“

„Müllerin,“ versetzte der Pfarrer, „das ist keine christliche Red’, und wenn man Euch hört, so könnte man fast meinen, es wäre an Euch selber die Schuld.“ —

Ganz ohne Trost, nur noch rathloser und erbitterter verließ sie den Pfarrhof.

Eine gutmüthige Nachbarin rieth ihr, sie sollte zum Gericht gehen. Sie ging zum Gericht und drängte auf Scheidung.

— Ehescheidung?! Das war was Neues, das war in der Gegend seit Menschengedenken noch nicht vorgekommen.