„Liebe Frau,“ sagte einer der Herren, „zum Eheschließen müssen Zwei sein, und zum Ehetrennen auch. Wird Euer Mann einwilligen?“

„O,“ rief das Weib, „der will wen zum Peinigen haben, der wird sein Lebtag nicht einwilligen.“

„Dann ist nichts zu machen. Das Beste, Ihr versucht es noch einmal, Euch gütlich miteinander zu vertragen. Wenn es Euch recht ist, so wollen wir Euren Mann, den Seizmüller, rufen lassen und ihm seine Verpflichtungen vorhalten, damit —“

„Um Gotteswillen, nur das nicht! Wenn ich schon bei ihm bleiben muß, so darf er’s um all’ mein Leben und Sterben nicht erfahren, daß ich in solcher Angelegenheit bin dagewesen.“

„So geht heim und versucht es noch einmal, es wird sich geben, nur der redliche Willen gehört dazu. Behüt’ Gott!“

— So vernünftig reden sie und wissen nicht, wie es in der Mühle aussieht — Zank und Hader, Trotz und Wildheit, Haß und Gewalt. Die Walpa soll wieder zurückkehren zu ihrem größten Feinde.

Da besann sie sich. Hoch oben auf dem Zinken steht eine Capelle mit einem wunderthätigen Marienbilde. Schon Viele sind durch der Jungfrau Fürbitte befreit worden aus ihrer Noth. Sie stieg mit Mühe den hohen Berg hinan. Und dort oben zwischen den Felsen, wo kein Bäumlein und kein Blümlein mehr wächst, lag sie vor dem Bilde und betete: „Gieb’ mir ein, o Mutter, was ich thun soll! Weise mir einen Ausweg, und wenn schon kein anderes Mittel ist, so laß mich sterben.“

Am Eingang der Capelle stand, von ihr unbemerkt, ein Tourist und hörte ihr zu. — Ein blasses, hübsches Weib betet vielleicht in Liebessehnsucht?

Als sich Walpa erhob, trat er zu ihr; er erkannte sie nicht mehr; sie sah es, das war der junge kecke Städter, mit dem sie vor länger als einem Jahre in ihrem Heimatshause zusammengesessen war.

„Bist ganz allein hier oben?“ fragte der Fremde, „dann will ich Dich führen und will Dir auch den Ausweg weisen, um den Du eben gebetet hast.“