Sie ging zu ihm heraus. „Jetzt ist mir schon wieder besser,“ sagte sie heiter, „jetzt, Mann, will ich recht fleißig sein, daß ich die Zeit wieder einbring’, in der ich krank gewesen bin.“
„Ja, möcht’ mich gefreuen!“
„Aber die vielen Ratten in der Mühl’, die muß man doch abfüttern.“
„Die Ratten allein fressen mein Gut nicht auf,“ gab er zur Antwort.
Ihr Gesicht blieb freundlich. Sie ging an ihre Arbeit. Sie stäubte mit Sorge die Kleider ihres Mannes aus, sie überzog sein Bett mit frischer Leinwand, sie setzte ihm das bestgekochte Essen vor und hatte dazu ein gütiges Wort. Und auf all’ seine Rohheiten schwieg sie still.
Am nächsten Sonntag sagte sie: „Hast nichts dagegen, Mann, so wollt’ ich heute gern eine Kirchfahrt verrichten zu Dank für die wiedererlangte Gesundheit. Wolltest mitgehen?“
„Ja, ja, häng’ Dich dem Herrgott nur recht an die Zehen, Du Betschwester, und verscherg’ (verschwärze) mich bei ihm, verschergst mich ja so gern.“
Sie ging hinaus gegen den Markt Salgstein. Sie suchte die ödesten Wege, wo die wenigsten Kirchengänger wandelten. Sie hatte Angst, sie werde sich durch ihre Miene verrathen beim Kaufmann, wenn sie Rattengift verlange. Das mußte sie gut machen, sie mußte sich üben. In einem verlassenen Waldschachen stellte sie sich zuerst vor einen fahlen Baumstrunk, dann vor einen grünen Strauch, endlich wendete sie sich gegen ein Eichhörnchen in den Zweigen, hielt gesittig das Sacktuch in den Händen vor der Brust und sagte halblaut, wie sich Bäuerinnen in Kaufmannsgewölben gern stellen: „Hätt’ auch gern ein wenig was. — Aber das sind saubere Seidentücheln, die kosten gewiß recht viel. Schön sind sie. Ja, daß ich sag, ein Hüttenrauch zum Rattenfutter hätt’ ich gern.“ Sie war aber nicht ganz zufrieden. Ob sie vom Rattenfutter lieber gar nichts sagen sollte? Wenn man Hüttenrauch kauft, so versteht sich’s ja von selbst, daß man es als Rattengift braucht.
Im Kaufladen zu Salgstein waren nach dem Gottesdienste viele Leute beisammen. Walpa verlangte zwei Ellen blaue Hemdschnüre, um fünf Kreuzer Neugewürz und um drei Zehner Hüttenrauch.
„Wozu braucht Ihr den Hüttenrauch?“ fragte der Kaufmann.