„Wir haben so viele Ratten in der Mühle.“

„Da müßt Ihr Euch wohl ausweisen, wer Ihr seid, meine Liebe, sonst darf ich kein Arsenik hergeben.“

„Na, na,“ rief Einer aus der Menge, „bei Der ist’s nicht so gefährlich, das ist die Seizmüllerin in der Transau.“

„Nachher hat’s keinen Umstand,“ sagte der Kaufmann. „Thut das Ding nur gut verwahren, ’s ist ein wildes Gift.“

Als die Walpa auf dem Heimweg an dem Salgsteiner Armenhause vorbeiging, saßen davor etliche Pfründner. Ihr Herz war heute so zum Wohlthun aufgelegt, daß sie alles Geld, welches sie bei sich trug, an die armen Leute verschenkte. Dann eilte sie der Transau zu. Wer sie heute so gehen gesehen, die schöne Frauengestalt, im einfachen Sonntagsstaate, an welchem nicht Eitelkeit, wohl aber guter Geschmack zu spüren war! Tausend rohe Worte hatte sie darüber erdulden müssen, aber die gewohnte Art, sich zu kleiden, hatte sie den Launen ihres Mannes endlich doch nicht zum Opfer gebracht. Ihr Antlitz war in seiner Blässe nur noch schöner; doch wehte heute über ihre Wangen zuweilen ein rosiger Hauch. Ihr Auge leuchtete in lebensvoller Klarheit, als sie hinaufblickte zu den sangumjauchzten Wipfeln des Waldes und zum Himmelsblau. — Ihr war wohl, wie einer wiedergeborenen Seele. — Man hat nur ein einzig Leben, und das soll man sich wahren, von dem soll man Alles fernhalten, was häßlich ist und verderblich, um das soll man Alles sammeln, was Freude weckt. So auch hielten es die anderen Menschen, sie mochten jung sein oder alt, weltlich oder bigott; so hielt es selbst das Thier und jedes Geschöpf. — Und endlich sollte sie — die Walpa — ja der Welt wieder sein, sollte leben, wie Menschen leben mit jungem frischen Blute und fröhlichem Sinn. Sommerlicher Hauch voll Waldodem spielte um ihr lockig Haupt. Ihr Fuß schien den Kalksandboden des Waldweges kaum zu berühren; es hätte ihr auch weh gethan, heute eine Ameise, ein Würmlein zu zertreten. So freudvoll war sie und die Arme breitete sie aus: Sei mir gegrüßt, mein süßes Leben! — An einer alten Rothföhre kam sie vorüber, an welcher das Bild der Jungfrau mit dem Kinde hing. Diesem Bilde gab sie einen Kranz von Glockenblumen und wilden Lilien.

Zur späten Nachmittagszeit nach Hause gekehrt, fand sie ihren Mann in der Stube auf einer Wandbank ausgestreckt und schlummernd. Lange stand sie da still und blickte ihm in’s Angesicht. Der harte Zug auf demselben war verschwunden, sanfte Ruhe lag darüber hingegossen. — Wie schön war dieser Mann, wenn er schlummerte! — — Als sie so auf ihn hinsah, wurde ihr wieder anders. Seine rechte Hand hing über die Bank hinab, sanft hob und brachte sie dieselbe in eine bequemere Lage. — Er hat Mühsal und Sorgen, wie gut wird ihm das Schläfchen thun!

Auf dem Tische, in Papier halb eingeschlagen, lag neuer lichtblauer Schafwollenstoff für ein Frauenkleid.

— Den hat er mir heute gekauft, ’s wird ja mein Namenstag sein in der Woche! jubelte das Weib im Herzen, nein, er ist gewiß nicht so hart, wie er thut. Er ist doch ein guter Mann. Gott verzeih’ mir Alles! — Ihr Herz wurde warm. Wie wollte sie ihn so gern liebhaben! — — Es verlangte ihr seltsam, ihm einen Kuß zu geben. Sie beugte sich zu ihm nieder — sein Athem roch nach Fusel. Hastig schreckte der Mann auf, sprang empor — starrte sie an und grinste.

„Hast gut geschlafen,“ sagte Walpa sanft.

„Was soll’s denn!“ fuhr der Müller los, „soll ich etwa nicht mehr schlafen in meinem Hause? Was schleichst denn so um mich herum? Willst mir die Augen auskratzen?“