„Geh’, Mann,“ versetzte die Walpa lächelnd, „das ist ja doch nicht Dein Ernst. Weiß es wohl, Du meinst mir’s besser, als Du’s sagen magst. Ich bedank mich für den schönen Rockzeug.“
„Bedankst Dich!“ lachte der Müller auf, „meinst, er gehört Dein?“
„Wüßte nicht, wem sonst,“ sagte sie, „aber weißt eine Andere dafür?“
„Und wenn auch!“ schrie er und starrte sie mit rothunterlaufenen Augen wild an, „hast Du mich etwa gepachtet? Wie viel hast denn ’geben für’s Jahr, he? Zehn Bessere weiß ich, und Du bist mir die Schlechtest’!“
Das war ihr wie ein Stich in’s Herz. Ohne noch ein Wort zu sagen, ging sie hinaus. —
Immer mehr ergab sich der Seizmüller dem Trunke.
In der Gegend hatte sich ein zweiter Müller angesiedelt, ein ferner Verwandter von der Walpa. Er verschlechterte dem Seizmüller das Geschäft; dieser ließ es seine Frau entgelten. Seine Lust war, ihr wehe zu thun, seine Labe der Krug. Sie war ruhig. Oft gab es Stunden, da er in Tobsucht ausbrach und sich sein Weib gar nicht vor ihm sehen lassen durfte. Der Arzt kam in’s Haus, dem weinte sie bitterlich vor.
„Ist traurig, liebe Müllerin,“ sagte dieser, „aber das mag Euch noch trösten: schlecht ist er nicht. Und das mögt Ihr sicher glauben, wenn er Euch wehthut, so ist ihm auch selbst nicht wohl. Er ist krank, er leidet an so einer Art Manie und er kann selber nicht anders.“
— An so einer Art Manie! dachte die Walpa bei sich, daß er neben mir andere Weibsleute hat, denen er Geschenke macht — ist das auch so eine Art Manie? — Seine aufgedeckte Treulosigkeit hatte in ihrer Seele einen Dämon erweckt, den sie früher noch nicht gekannt, der nun fort und fort an ihr rüttelte, wenn sie sonst in Stumpfheit versinken wollte; da bäumte sie sich auf und ihre Nerven bebten und ihr ganzes Wesen dürstete nach einer That.