Ihre Obliegenheiten im Hause besorgte sie mit auffallender Milde und Sanftmuth. Ihr Angesicht war blaß, oft fast fahl, die Augen waren wie eingefallen und dennoch voll seltsamen Glanzes.
„Weiß gar nicht,“ bemerkte in diesen Tagen eine Magd des Hauses, „wie mir neuzeit unsere Müllerin vorkommt; mich deucht alleweil, die lebt uns nicht lang’.“
Vor der Hausthür mehrten sich die Bettler; denn es waren die Gaben größer geworden, und Walpa reichte den Armen mit vollen Händen.
Eines Tages hatte sie einem mühseligen alten Weiblein drei Silberzehner in die Hand gedrückt: „Sieh, das nimm Dir, und thu’ beten für mich!“
Ueber den Hof hinabtorkelnd begegnete die Beschenkte dem Müller, aus Herzensfreude und Dankbarkeit wollte sie ihm die Hand küssen: „Für das viel Geld, Seizmüller, für das viel Geld. Dein Weib hat mir drei Zehner geschenkt. Davon leb’ ich wie ein Graf; vergelt’s Gott bis in den Himmel!“
Eilte der Müller in’s Haus, beschuldigte sein Weib der Verschwendung und ob sie das Geld auf der Straße aufzuheben habe, daß sie dasselbe wieder auf die Straße werfe? und sie sei nur zum Verschleudern da, er sehe schon, er müsse sie todtschlagen, wolle er nicht, daß sein ganzes Hauswesen und er selbst zugrunde gehe. Und gleichzeitig hat er ihr einen Schlag versetzt auf das Haupt, daß sie in die dunkle Nebenkammer taumelte.
Er stand auf seinem Flecke wie angewurzelt still und schrie:
„Komm’ heraus, Walpa, komm’ nur noch einmal heraus!“
Sie meldete sich nicht, kam nicht heraus. Da trat er mit geballten Fäusten in die Kammer und sah, wie sein Weib eben etwas hinter dem Wandschrank verbarg.