„Was hast Du dort! Gieb her!“ schrie der Müller und haschte nach ihrer Hand. Diese war leer.
„Heimlichkeiten?!“ sagte er und grinste vor Hohn und Wuth.
Ihre Gurgel war einen Augenblick wie zugeschnürt, ihre Augen traten schroff hervor; bald aber entgegnete sie voll stumpfer Ruhe:
„So schau, so such’, was ich für Heimlichkeiten hab’, wirst es wohl sehen.“
Vom Gewehr, das an der Wand hing, riß er den Ladstock herab und stöberte mit demselben hinter dem Wandschranke herum. Ein paar halbblinde Mücken kamen zuerst hervor, dann etwas Staub, dann der Fetzen eines Spinnengewebes, dann etliche alte Papierstückchen, dann eine blaßrothe Halsschleife.
Der Müller hob mit dem Stäbchen die Schleife empor und fragte: „Was ist denn das, meine Liebe?“
„Das ist ein Halsband,“ antwortete sie ruhig.
„Das weiß ich wohl, Du Schlange Du,“ versetzte er, „aber warum hast Du denn dieses Halsband vor mir verbergen wollen, he?“
„Weil — weil ich mich nicht getrau, weil Du so hart bist auf mich.“