„Viel tausendmal zu gut bin ich noch für Dich, Du schlechte Creatur!“ schrie er, „jetzt auf der Stell’ sag’ mir wo hast Du dies Halsband her, oder ich erschieß’ Dich ohn’ Erbarmen!“

„Sagen will ich Dir’s wohl, Franz,“ antwortete sie gelassen, „dies Band hab’ ich vor Zeit von einem Buben kriegt; das Band ist schon lang blaß und der Bub’ ist lang schon verstorben, und jetzt weißt es.“

Da lachte der Seizmüller wild auf und rief mit einer Stimme, die man kaum verstand, dazwischen: „So wohl, Walpa, so wohl! Der Bub’ wird noch nicht verstorben sein!“

„Nun, so lebt er noch,“ antwortete sie.

„Ich steh’ ihm nicht gut auf drei Tage. Und Dir, Weib, Dir schlag’ ich die eheliche Lieb’ noch mit Haselstöcken hinein, darauf leg’ ich Dir ein Jurament ab!“ Und er stürzte aus dem Hause.

Die Walpa stand eine Weile wie betäubt und trocknete sich mit einem Tuche das Blut, das ihr aus dem Munde herausfloß.

Dann verriegelte sie die Thür und suchte hinter dem Wandschranke ein blaues Papierchen hervor, das sie in der Eile dort hinabgeworfen, und welches sie dadurch vor den gierigen Blicken des Müllers zu sichern getrachtet, daß sie das alte Halsband als den Gegenstand ihres Geheimnisses ausgegeben hatte. Das Halsband war eine Brautgabe ihres eigenen Mannes gewesen; wäre jedoch dasselbe nicht als fremdes Liebeszeichen vorgeschützt worden, so hätte der Müller weiter gespäht und das blaue Papier mit seinem Inhalte gefunden.

Nun aber hatte Walpa die letzte Brücke hinter sich abgebrochen. Sie wußte, welch’ neue Waffen sie durch ihre Angabe dem Gatten an die Hand gegeben hatte, daß es nun in seiner Macht lag, seine Rohheit gegen sie vor allen Leuten zu rechtfertigen.

Am andern Morgen stieg der Seizmüller zu sehr früher Stunde aus dem Bette. Er wollte auf den Kornmarkt fahren. Draußen klapperte die Mühle, er rief sein Weib; das hörte ihn nicht sogleich. Er tappte im Finstern an seinen Kleidern umher, er riß das Winkelkästchen auf, das in der Ecke hinter seinem Bette stand. Dabei hub er zu lachen an und sein Lachen war wie ein Röcheln. Und als die Walpa kam, fuhr er sie an: „Du, jetzt weiß ich’s, Du kannst leicht Almosen geben. Du hast mir mein Geld gestohlen.“