Da wand sich unten zwischen den Sträuchen die Walpa hervor, in ihrem Arm den bewußtlosen Knaben haltend, aus dessen Mund ein Wasserstrom hervorquoll. Sie legte ihn sofort über der nächsten Feldplanke auf den Bauch, so, daß Haupt und Füße zu beiden Seiten niederhingen, sie preßte alles Wasser hervor und rieb seinen Leib — da hub der Kleine wieder an zu athmen.

Bald kamen mehrere Leute zusammen und der Michel und die Walpa wurden unter freudiger Erregung nach Transau gebracht.

„Heut’ hat die Seizmüllerin den Hüttenbaumer Buben aus dem Wasser gezogen!“ Die Kunde verbreitete sich bald im ganzen Thale. „Sie wäre selber schier dabei ertrunken. Sie ist aber ein kräftiges und muthiges Weib, hat sich und den Knaben mit Noth noch herausgearbeitet. Jetzt ist sie im Pfarrhof unten und der Richter ist zu ihr gegangen und die Herren sind alle beisammen und loben die Walpa; und die Hüttenbaumerleut’ sind auch schon herausgekommen von ihrem Graben und sie wissen gar nicht, was sie der Müllerin Gutes anthun sollen.“

Es war auch so. Die Walpa wollte fort; aber sie stak in den Kleidern der Pfarrersköchin, denn die ihren waren noch nicht getrocknet. Eine große Unruhe war in ihr, aber sie mußte aushalten und für den Abend wollte man zur Feier der Heldenthat eine Unterhaltung anstellen — und dem Müller wollte man es schon zu wissen thun, wo sein braves Weib heute stecke und daß für den Abend auch er selbst in’s Wirthshaus komme.

Da berichtete Einer, der Seizmüller wäre heute gar nicht daheim und dem lauten Klappern nach ginge auch die Mühle schon den ganzen Vormittag leer.

„Ja, sind denn sonst keine Leute auf der Mühl’?“ fragte man.

Der Mühlbursche sei vorgestern davon und die Anderen wüßten nicht Bescheid. Auch könne man gar nicht in die Mühle hinein, sie sei versperrt und es würde doch nöthig sein, daß die Müllerin auf ein halbes Stündchen nach Hause gehe.

Als Walpa gegen die Mühle kam, eilte ihr eine Magd entgegen: „Sie solle doch nicht gar zu hart erschrecken um des lieben Gottes willen, in der Mühle sei heut’ was geschehen.“

Wortlos, aber festen Schrittes ging Walpa weiter. Die Thür der Mühle war bereits weit offen, das Räderwerk war gestillt. Nachbarsleute standen herum, sprachen viel hin und her, und als nun die Walpa nahte, stellten sie sich bei Seite und redeten nichts. Nur Einer trat ihr entgegen: „Müllerin, dieweilen Ihr heut’ so wacker seid gewesen, ist daheim schlecht gehaust worden. Kein Mensch weiß, was ihm widerfahren.“