Einer von diesen erhob seine scharfe Stimme und sagte: „Euer Mann, der Seizmüller, ist durch Arsenik vergiftet worden.“
„So?“ antwortete sie, „dann hat er Rattengift gegessen.“
„Man hat ihm das Gift in den Kaffee gethan!“
„Wer wird ihm denn das Gift in den Kaffee gethan haben?“ sagte sie dumpf.
„Es ist Alles bewiesen. Hier ist der Rest in der Kaffeeschale, die Ihr ihm selbst vorgesetzt habt. Euch hilft gar nichts mehr, Seizmüllerin, gesteht es nur, Ihr habt Euren Mann umgebracht.“
Da fuhr die Walpa zusammen, ein wilder Krampf schien durch ihr ganzes Wesen zu toben. Die Männer standen bewegungslos da und blickten sie an. Nun löste sich allmählich die grauenhafte Starrniß, ihre Arme sanken auf den Schoß und sie hauchte: „Da — da bin ich. Hab’s ja gewußt diese Ehe bringt mich noch an den Galgen.“
Am nächstfolgenden Tage ist sie dem Gerichte überliefert worden.
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Lange ließ man die Seizmüllerin nicht in ihrem Gefängnisse. Wozu soll der Staat ein solches Wesen noch füttern? hieß es.
Eine Woche vor dem Allerheiligenfeste, zur Zeit, da in der Gegend die lautlustigen Kirchweihen abgehalten wurden, führte man die Walpa in den Gerichtssaal. Da stand sie vor dem grünen Tische, auf dem das Crucifix und zwei rothe Kerzen ragten. Hinter dem Tische saßen die Richter. Links davon auf einer Doppelbank waren zwölf Männer, theils in städtischer, theils ländlicher Kleidung. Walpa sah Bekannte darunter. Da war der Thorhofbauer, der ihr einst zur Heirat mit dem Seizmüller gerathen, da war der Erlsberger, der ihr auch nicht abgeredet hatte. Neben diesem saß der Kaufmann von Salgstein, der ihr das Rattengift verkauft hatte; nicht weit von diesem der Hammerschmied, welcher ihr mehrmals, sie bedauernd, zu verstehen gegeben, der wilde Seizmüller würde sie noch eines Tages todtschlagen, so wie er sein erstes Weib todtgeschlagen habe. Und endlich saß noch Einer unter den ernsthaft dreinschauenden Männern, bei dessen Anblick der armen Walpa das Herz weinte. Es war der einstige Postillon, der Blasius Steiger — nun schon glücklich verheiratet — es war der Mann, an den sie liebend so oft gedacht hatte. — Das waren jetzt ihre Richter, die Geschwornen.