Die „guldene Greth“ war’s, ein kaum vierundzwanzigjähriges Mädchen mit krausen, gelblichten Locken, falben Augenbrauen und stets gerötheten, zuweilen sommersprossigen Wangen. Sie war mehr klein als groß, hatte eine sehr geschmeidige Gestalt, hatte gern ein Lächeln um den scharfen Mund, konnte schmeicheln und spotten und näschenrümpfen und liebäugeln, wie gar Keine mehr sonst um den ganzen weiten See. Sie war die Tochter einer Häuslerin. Man kannte sie als ein leidenschaftliches Mädchen, zuweilen boshaft, zuweilen gar ein wenig bösartig, und dann doch wieder gutmüthig in hohem Grade. Man nannte sie die „guldene Greth“, weil sie goldhaarig war, und weil sie das Gold wohl zu schätzen wußte, mehr wie manch’ Andere auf der Alm, „die sich im Bettlerstolz aufbläst, daß eine halbe Welt von ihr spricht“.
Die Greth ging zuweilen wurzelgraben und kräuterrupfen auf die Alm, aber ihr wollte ein Prinz nimmer begegnen. —
Der junge Mann blieb nun auf den Ruf unwillkürlich stehen.
„Magst mich heut’ nimmer über den See rudern, junger Herr Seesteiner?“ sagte das Mädchen, ihm näher kommend.
„Der See ist gefroren,“ entgegnete Michael kurz.
„Aber ich bin’s nicht,“ rief sie, „ich weiß noch recht gut eine warme Kirchweihnacht —“
„Wo ich Dich aus Gefälligkeit über den See geführt habe.“
„Wo Du mich an Deine Brust gezogen hast —“
„Weil Du mir sonst im Finstern leicht über den Rand gefallen wärest.“