Heute aber hört man hier nur den dumpfen Knall, sieht aber kein Aufblitzen. So dicht liegt der Nebel über dem See, daß man ihn — wie die Leute sagen — mit einem Messer könnte in Stücke schneiden.

Es ist ein Januarmorgen. Ein großer Theil der Seeauer steht am Ufer und guckt und horcht. Jetzt fallen drüben drei Schüsse rasch nach einander, jetzt gehen die Hochzeiter ab. In einer halben Stunde sind sie da, denn über das Eis gleitet sich’s leichter mit behendigen Schlitten, als mit Kähnen zur Sommerszeit.

Eine Weile ist es still, daß man völlig den Nebelthau könnte rieseln hören; hüben kein Lärm und Laut, drüben kein Schuß. Dann flüstern die Leute wieder; sie haben dem Brautpaare alle mögliche Ehre vorbereitet. Der Schulmeister rückt mit seinen Musikanten aus, gar die große Frohnleichnamstrommel mit den mächtigen Klingscheiben wird mitgeschleppt. Keiner versucht mehr sein Instrument, es ist Alles schon gestimmt. Die Meßner in der Kirche zünden alle Kerzen an, und das ist am düsteren Morgen ein feierlicher Schein in dem festlich gezierten Raum. — Drei Jungen stehen unter dem Thurm und haben die Glockenstricke in den Händen. Sie warten nur noch auf das Zeichen.

Das Wirthshaus steht still da, aber in der großen Küche schießt ein Rudel Weiber umher, und die Herdflammen knattern wie ein wildes Schlachtfeuer.

Endlich dringt ein Jauchzen her über den See und ein Schellenklingen. Da fächelt ein Mann gewaltig mit seinem Hut. In demselben Momente klingen alle Glocken. Dunkle Massen treten auf der Seefläche aus dem Nebel hervor — rasch werden sie zu Gestalten; die Rosse traben heran, die Schlitten fliegen nach, und auf den Schlitten jauchzend und johlend und hüteschwingend die Hochzeiter.

Bums! fällt die große Trommel ein, und die Trompeten schmettern auf, und die Pfeifen jodeln drein, und von der Loserwand knallen Pöller, daß die Kirchenfenster schrillen.

Der Hochzeitszug ordnet sich rasch, und in der Mitte das schöne, schmucke Brautpaar, so zieht er zur Kirche hinan.

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