Sie knieten am Altar, und der Pfarrer legte die Stola um die Hände. In demselben Augenblick huschte die Greth an der offenen Kirchenthür vorüber, und that einen Fluch, und eilte davon.

Sie watete durch den Schnee hinaus in den Wald; die fallenden Eisnadeln strichen ihre gluthheißen Wangen. — Jetzt werden sie getraut, dann ist diese Haldegger Seesteinerin. Ist sie reicher, vornehmer, besser wie ich? — Mir hat er’s verheißen, ihr hält er’s; jetzt reicht er ihr den Ehering. Dann ist lustige Hochzeit den ganzen Tag, und sie heben die Gläser und Trinken zum Gutleben, und sagen Ehrensprüche für das Brautpaar, und singen Spottlieder auf die guldene Greth. — Und wenn der Abend kommt, da fahren sie wieder über den See, fahren ein in den Hof —

Eine unbeschreibliche Gewalt wüthete im Busen der Dirne. Sie eilte am Ufer des Sees dahin; dann rief sie laut: „Und wär’ das Wasser auch nicht zugedeckt, hineinspringen thät’ ich nicht! Ja, wenn ich sie mitreißen kunnt, All’ miteinander — nachher mit Freuden — mit Freuden!“

Sie raste fort. Sie kam in Gefälle und auf wüste Gründe; Rehe und Füchse und wildes Geflügel spürte sich im Schnee. „Jetzt gehe ich und zünde den Seesteinerhof an,“ sagte sie und eilte weiter. Sie lief über den See, sie war gehüllt in Nebel, kein Mensch konnte sie von der Ferne sehen.

Sie kam an’s Ufer. Der Hof lag still da; die Eiszapfen der Dächer troffen rings umher, oder fielen klirrend zu Boden; das war die ganze Wache.

Seitab stand ein Fischerhäuschen. Der alte Fischer Wolf saß davor auf einem Bänklein. Er rauchte eine Pfeife, und zog jedes hervorgeblasene Wölkchen fast gierig mit der Nase wieder an sich. Das ist ein Tabak, wie ihn sonst kein Fischer raucht; der Kaiser raucht ihn. — Der Seesteiner hatte dem Alten zur Hochzeitsfreude eine ganze Schachtel davon bringen lassen. So ein Kraut! Das ist dem Alten das höchste Ereigniß in seinem Leben; die Eisdecke möchte er aufreißen und es den Fischen zurufen: „Laufet, laufet, laufet euere guten Wege; ich rauche Kaisertabak!“

Die Greth schritt rückseits des Häuschens vorüber und schlüpfte durch ein Thürchen in die Stallungen. Kein Mensch war da; Alles ruhig und verlassen. Große Heu- und Strohvorräthe waren hier aufgehäuft; ganze Wände von Hafer- und Roggengarben, noch theilweise mit den Fruchtähren, waren geschichtet und darüber spannte sich das mächtige Gebälke des Dachstuhls und das weite, hohe Schindelgedache. An diese Stallung schließen sich andere Scheuern, Fruchtkammern bis hin zu dem weitläufigen Wohngebäude. — „Das ist Dein Hof, Du schöner, stolzer Seesteiner Michael. Wenn die Brautleute heimkommen, wird’s recht warm eingeheizt sein. Aber so viel finsterer Nebel wird sein, daß sie gar das Haus nicht mehr finden. Morgen stellt Dir der Pfarrer einen Brief aus: ‚Brandsteuerschein für Michael Rehling.‘“ —

Die Greth sucht aus ihren Taschen Zündzeug hervor, da hört sie unter ihren Füßen poltern. Sie erschrickt, legt sich auf den Boden und guckt durch die Bretterfugen hinab. Da unten stehen und kauern an den Barren die Rinder in ganzen langen Reihen. Dort steht eine Kuh und daneben hüpft ein junges, falbes Kälbchen flink umher und legt seinen Kopf an den Hals der Mutter, um den die Hängekette liegt, und macht große, kluge Augen.

Das stoßt der Greth an’s Herz. Sie bewacht ihre Hand; nur ein einziger Strich mit dem Zündhölzchen ist nöthig, und es prasselt und schmettert das Feuer, es wogt der glühende Rauch. Die Thiere brüllen, sie hängen an der Kette; nur das Kälbchen ist frei, aber es läuft nicht zum Ausgang, es verläßt die Mutter nicht. Da stürzen die lodernden Balken nieder — —