Plötzlich kommt ihr ein Gedanke, der noch viel düsterer ist, als dieser Wintertag. — Die Hochzeit wird zu Ende sein, der Seesteiner fährt mit seiner Braut lustig über den See; die Rosse traben und schnauben und schellen, der Schlitten saust hinten drein, die Hochzeitsbänder flattern in der Nacht — der Boden kracht — wankt. — Glückliche Fahrt, Seesteinerleut’! — Es muß so sein, der Himmel will es selbst so haben. Der Michael hat ein Herz gebrochen, nun will er mit einer Andern in die Brautkammer gehen; aber das Brautbett ist im See, im tiefen, kalten Seegrund. Sie, die Greth, thut nichts dazu, Gott hat’s gestellt — sie weiß es nur um eine Stunde früher. —

Hunger und Durst ist vergessen. Die Greth schleicht durch die Dorfgasse und wieder dann am Ufer hin. Da kommt ein Mann über den See. Der alte Fischer ist’s; der hält das Pfeifchen noch immer in der Hand, raucht aber nicht.

„Das ist kein Gehen mehr jetzt, da herüber,“ murmelt er, „’s ist wohl wahr: Paulibekehr, Schlitten weg, Wagen her. Wir brauchen aber den Kahn; der Weg um den See herum ist zu weit und toll verschneit.“

Der Greth fährt’s durch den Kopf: Der Alte geht geradewegs in’s Wirthshaus, verräth die Sach’ und kehrt Alles um. — Sie eilt auf ihn zu: „Gut, Wolf, daß Ihr da seid, hätt’ hinüberlaufen sollen zu Euch, Ihr sollt geschwind aber geschwind zum Bauer an der Wand hinauf, und schrecket Euch nicht, ich denk’ ’leicht gar, Eure Schwester liegt im Sterben!“ Sie erschrak fast über ihr eigenes Wort, aber sie gehorchte dem Rachegefühl.

Des Alten Schwester war Dienstmagd beim Bauer an der Wand und war schon jahrelang krank.

„Ei schau, die Kath,“ sagte der Wolf wie zu sich, oder zur Sterbenden, „will’s Dich doch packen, jetzt auf einmal! Du arme Haut; die Welt ist schon allweg so übel gewesen auf Dich, ist der lieb’ Herrgott doch so gut, und nimmt Dich zu sich. — Ja, ja, ich komm’ schon. Dank Dir Gott, Greth!“ — Er steckte die Pfeife in den Sack, und holperte hastig die Dorfgasse entlang und durch die Halde, und kletterte die Holzleiter der Loserwand hinan und ging hin über die Höhe.

Die Greth eilte ihm nach, und als er davon war, stieß sie an der Wand die Leiter um. Diese fiel lang und schwer hin in den Schnee; das Mädchen lief seitab.

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