Es war nicht so arg mit der alten Kath; es hatte auch kein Mensch nach dem Bruder geschickt. — „Diese liederlich Dirn da, jetzt hebt sie zu lügen auch schon an! — Na, weil Du nur nicht schlecht bist, Kath; jetzt geht der Winter vorbei, ich mein’, Du stehst mir wieder auf.“ So sagte der alte Fischer, dann ging er bald wieder davon.

Es war schon Nacht, aber der Nebel hatte sich ein wenig gehoben, es zog ein frisches Lüftchen. — Die Hochzeiter werden doch nicht schon abfahren? dachte der Alte, sie wissen es etwa nicht, daß draußen von der Hirschwand herüber der See einbricht. — Ei, ja, die bleiben heut’ schon noch eine Weil’ beisamm’; ’s ist nur, daß ich mich völlig nit in’s Wirthshaus trau’, sie werden meinen, ich bin da, daß sie mir ein Glasel sollen einschenken. Thun wird er’s gern, der Seesteiner, thät’s aber nicht verlangen; ich hab’ schon meinen Theil und bin zufrieden. — Der Fischer griff nach seiner Pfeife und eilte recht hastig dahin.

Wie er jedoch zur Loserwand kam, da wäre er schier in den Abgrund gepurzelt. Es war die Leiter umgefallen, nun konnte er nicht weiter.

Sollte er umkehren und den weiten Fahrweg gehen? da kommt er wahrhaftig spät in das Dorf hinab.

Er blickt hinaus; sein Auge ist alt, aber er sieht nun in der dunkeln Nacht fast mehr, als am nebeligen Tag. Der Wald, die Felsen sind schwarz bis empor, wo sie wieder in die Nebelschichte hineintauchen. Dorthin liegt die breite, graue Tafel des Sees. Der Seesteinerhof drüben ist nicht zu sehen, vor ihm ragt die finstere Hirschwand. Vom Dorfe da unten ist nichts zu erkennen, als einige rothschimmernde Fensterscheiben. Plötzlich aber klingen Trompetenstöße herauf und Fackeln schweben zwischen den Häusern hinab gegen das Ufer.

Sie gehen, sie sind auf der Heimfahrt.

Den alten Fischer erfaßt eine fürchterliche Angst. — Sie rennen in ihr Verderben und er kann nicht hinab, um sie zu warnen. Er läuft über der Felswand hin und her, und weiß es doch, es giebt keinen Abstieg. Er hebt an zu rufen, aber seine Stimme ist dumpf; unten schallt die Musik, schallt das Gejohle der angeheiterten Hochzeiter. Er hört jauchzen, er hört die Pferde wiehern, hört das lustige Schellengeklingel. Da trennen sich zwei Fackeln von den übrigen und gleiten hinaus über den See.

Der Alte ist in Verzweiflung. Er brummt über das rasche Heimfahren heute, wo man doch sonst die halben Nächte im Wirthshause verschwärmt, er flucht über den Leichtsinn der jungen Leute, die außer ihrem Heiraten schon gar nichts mehr denken mögen. Sie haben kein Thauwetter wahrgenommen die Tage her, sie meinen, wenn im letzten Jahr das Eis erst im März gebrochen ist, so muß es heuer auch so sein. Die merken’s nicht in ihrem Taumel, wenn die Decke kracht, Jesus, und nachher ist Alles vorbei! —

Die zwei Fackeln zogen hin über die Fläche. Immer weiter entfernten sie sich vom Ufer, immer leiser wurde das Schellen der Pferde. Sie waren schon weit draußen, sie nahten endlich der Hirschwand; die Fackeln waren wie zwei Sternchen.