Der Alte starrte hinaus und hielt den Athem an, als wäre sein warmer Hauch im Stande, die Eisdecke vollends zu lösen. Er meinte, sie würden, ja sie müßten stehen bleiben und umkehren. Aber die Sternchen glitten weiter. Da sank der alte Wolf auf ein Knie, schlug die Hände zusammen und rief wild aus: „O, Herrgott, hast denn keinen Schutzengel für sie! Ist der Seesteiner nicht allweg ein braver, wohlthätiger Mensch gewesen, und sein junges Weib von Herzen gut und rechtschaffen! O Gottesmutter Maria rein, so nimm sie Du in Deinen heiligen Schirm!“

Still war die Musik, still lag der See, weit draußen ragte die finstere Hirschwand. Und die Sternlein waren dem Alten verschwunden.

In demselben Augenblicke dämmerte unten im Dorfe ein blutrother Schein auf. — —

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In den zwei größten Stuben des Wirthshauses war die Hochzeitstafel abgehalten worden. Lust und Frohlocken war überall, und Alle sahen in dem jungen Brautpaar ihren König und ihre Königin.

Als das Mahl zu Ende war, und der Pfarrer auf das Wohl des Seesteiners und seiner anmuthigen Frau einen Spruch ausbrachte und mit dem lächelnden Ehepaare anstieß, ging sein Glas in Scherben, und der Wein löschte gar eine Kerze aus und ergoß sich über den Tisch.

Das war keine gute Vorbedeutung; viele Anwesende stutzten; draußen im Vorhause gellte ein wildes Auflachen.

Die Grethe war’s, die eine Weile an der Thür gestanden und durch das Menschengewühle das Brautpaar angestarrt hatte. Ihre alte Mutter, die Gstettnerin, saß in der Küche bei Krapfen und Braten, heute hatte sie in Ueberfluß; sie war ja bei den Vorbereitungen Helferin gewesen. Das alte Weib sah sich nach der Tochter um; die hatte es heute den ganzen Tag wieder nicht zu Gesicht bekommen; wäre sie jetzt da, so bekäme sie auch.

Die Wirthin sah sie wirklich stehen im Vorhause, und sagte: „Geh’ her, Greth, magst was essen, was trinken? Deine Mutter ist auch da.“

Im selben Moment aber zersprang dem Pfarrer das Glas; da kreischte die Greth auf, und verließ das Haus.