Während die Leute herbeieilten, und die Achseln schüttelten, weil nichts mehr zu retten war, und nur ihre eigene Habe wahrten, irrte die Greth draußen auf dem See. Sie sah noch die zwei Lichtlein, sie standen auf der Fläche nächst der Hirschwand und waren völlig im Erlöschen. Jeden Augenblick konnten sie erblinden, versinken.
Was da hinter ihr vorging in der Noth des Feuers, in der Verwirrung des Dorfes, das achtete sie nicht; ihr Blick bewachte mit unsäglicher Angst die zwei Aeuglein auf dem See. — Und siehe, endlich leuchteten sie heller, wurden frischer, größer, kamen näher. Da johlte die Greth auf, und das war das lustigste Jauchzen an diesem Hochzeitstage.
Sie waren gerettet.
Das Mädchen zog ihnen entgegen über die Fläche. Sie sah schon das Sausen des Windes in den heranschwebenden Fackeln. Sie fiel den Pferden in die Zügel. „Was ist’s, wo brennt’s?“ rief der Seesteiner aus dem Schlitten. Da stürzte ihm das Mädchen wortlos an die Brust, sank zurück auf den kalten Eisboden, und das Gefährte glitt weiter.
„Das ist ein Hochzeitstag! Seid Ihr auch wieder zurück!“ sagte ein Mann, als der Seesteiner aus dem Schlitten sprang und seinem jungen Weibe den Arm zum Aussteigen gab.
„Nu, Gott sei Lob und Dank, die Gefahr ist wohl vorüber, der Gstettnerin ihr Häusel ist halt niedergebrannt. — Eine Närrische haben wir auch im Dorfe. Ist’s denn wahr, daß auf dem See das Eis einbricht?“
Die Brautleute sahen sich an, und sagten kein Wort. — Das Eis bricht ein auf dem See! — Man konnte in der Dunkelheit nicht sehen, wie sie erbleichten.
Die alte Gstettnerin hatten sie in’s Wirthshaus zurückgebracht; sie verlor kein Wort über ihr zerstörtes Heim, nur ihre Tochter rief sie mit kläglicher Stimme.
Ihre Tochter aber saß an der Brandstätte und wärmte sich. Sie saß zwischen den glühenden Balken und rief ein- über das andermal: „Das Eis bricht ein!“ Und dann lächelte sie. Flämmchen wollten emporhüpfen in ihr goldiges Haar. Es war ihr aber kühl, ach, die Welt war für sie so kalt. Dort stand der kleine Feuerherd — jetzt dachlos in der Nacht; die Grethe kletterte über kohlende Trümmer zu ihm hin.