„Nicht? Aber brennen wird’s schon wieder. O lieber Gott, es ist mir nur so heiß. Das macht das dumme Liegen da, hilf mir auf, Vefa, ich weiß nicht, daß ich heute gar so schwach bin.“
Genovefa richtete den Kranken ein wenig auf und betete in Gedanken zu der Jungfrau Maria, auf daß doch Jemand komme und ihr helfe in dieser Noth.
„Hab’ ich Dir das Andere schon erzählt, Vefa? Nicht? So muß ich es aber doch gleich thun. Aber Du mußt mir versprechen, daß Du es Niemand sagst, so lang’ ich lebe. Wenn ich heut’ oder morgen schon sterben muß, und es kann wohl sein, weil mir der Brand zum Herzen kommt, so kannst Du es heut’ oder morgen schon sagen; und wenn ich noch fortlebe, so mußt Du all die Tage das Geheimniß in Dir tragen, sonst sperren sie mich ein, und dann kann ich gar nichts mehr gut machen. — Leg’ mir jetzt Moos auf die Stirn und auf die Wunden da, daß ich denken und sprechen kann. So. Und jetzt mußt Du auch nicht erschrecken, Genovefa; und zuerst mußt Du mir auch noch versprechen, daß Du mir’s glaubst, daß ich nicht schlecht bin; wirst mir’s aber nicht glauben wollen, Vefa, daß ich den Wald angezündet hab’!“
„Jesus Maria! — Gregor!“ schrie die Magd auf, deckte ihr Gesicht mit der Schürze zu und zitterte.
„Ei ja, das hab’ ich mir gedacht, Ihr Weiber seid Alle so, daß Ihr Alles gleich in die Welt hinausschreit. Hätt’ ich’s wohl auch thun mögen, als es brannte, aber was hätt’s genützt? Sollst Dir doch denken, daß es nicht blos Bosheit giebt, sondern auch Unglück, und so eins ist uns jetzt halt auch begegnet. — Am Samstag zum Feierabend bin ich in das Dorf hinüber zum Segen gegangen, um zu beten, daß es regne — das weißt Du. Ist rechtschaffen weit hinüber für Unsereinen, und auf dem Rückweg da bin ich auf einmal so müde geworden mitten im Wald — nu, Du weißt, Vefa, wenn man alt wird — das Korntragen war auch schwer den ganzen Tag. Da hab’ ich mich halt ein wenig hingesetzt auf einen Stein und hab’ mir gedacht: Ein Stücklein Brot wäre jetzt wohl gut. Aber weil du kein Brot hast, Gregor, so zünd’ dir ein Pfeiflein an, das stärkt auch. Hab’ mir darauf das Zündholzkästl aus der Tasch’ genommen, aber die Hölzlein werden bei dem vielen Schweiß einmal zu feucht, sie zünden wohl, löschen aber wieder aus, und keines hat mir brennen wollen. Nehme mir da ein wenig Moos und dürre Reiser, wie sie um mich genug herum liegen, und damit geht’s. Ja, ich glaub’, so beiläufig muß es gewesen sein, ich weiß das nicht mehr recht; ich bin dann noch sitzen geblieben und hab’ ein wenig geschlafen. Als ich wach geworden, hat Alles gebrannt, das Moos, die Reiser, Alles, und an den nahen Baumstämmen ist das Feuer hinaufgestiegen und ist oben auf den Aesten herumgeflogen wie ein Vogel mit goldenen Flügeln. Jesus Maria! denk’ ich, jetzt brennt der Wald! Auf die Reiser bin ich getreten, hab’ meinen Hut und Rock auf die Flammen geworfen, auf die Bäume hab’ ich wollen und das Feuer tödten, ersticken mit den Händen, mit meiner Brust, bin zurück gefallen auf den Boden und wäre zuletzt selber bald mit verbrannt. Das kann ein großes Unglück werden, denk’ ich noch, und lauf’ heim, was ich laufen kann, und weck’ die Leut’... weißt es ja so, Vefa. — Wenn doch nur wieder ein Regen käm’, da — da drinnen brennt’s so wild fort und das kann kein Mensch dämpfen.“
„Aber jetzt geh’ ich, Gregor, und werde den Bauer bitten, daß er sogleich um den Arzt fährt.“
„Nein, aber wenn Du mir den Caplan holst, so ist’s mir schon recht. Ich schlaf’ da derweil, mußt aber bald kommen, Vefa!“
Da lief die Magd fort und lief, was sie konnte, gegen das Haus und dachte unterwegs: Heiliger Gott, jetzt hat der den Wald angezündet!
Als sie zum Grübner kam, rief sie ihm beinahe athemlos zu: „Bauer, ich bitt’ Euch um Gotteswillen, fahrt geschwind zum Bader und zum Pfarrer, der Gregor liegt drüben im Wald, er hat sich völlig verbrannt!“