Der Bauer stand an der Thür, hatte die Arme über die Brust geschlagen und rauchte seine Pfeife. Als sie mit dem Todten herankamen, trat er einen Schritt bei Seite, nahm die Pfeife aus dem Munde und winkte gegen die Wand, wo die Bodenstiege war.

Man stellte sofort unter der Stiege ein paar lange Stühle zusammen und legte die Leiche darauf. Da kam die Bäuerin, bedeckte den Todten mit einem Leintuch und zündete daneben ein Oellichtlein an. Dann gingen sie zum Essen und nach dem Essen Jeder an seine Arbeit wie jeden Tag.

Den andern Morgen zogen sie Alle in das Gebrände hinüber und schafften die halbverbrannten Baumstrünke gegen die Kohlstatt hinaus. Die zwei Knechte hieben die noch stehenden Stämme um und schlugen die schwarzen Aeste von denselben. Die Mägde trugen und zogen die halbverkohlten Stücke an bestimmte Plätze, wo dieselben durch die Schlarpfe weiter geschafft wurden. Da Gregor nicht mehr war, so führte der Bauer das Pferd. Dabei hatte er allerlei Gedanken. Der schöne reiche Wald ist nun todt und verbrannt zu Kohlen, aber nicht zu solchen, die man draußen verkaufen kann um Geld. — Der Mann biß sich derb in die Lippen, das Pferd hätte er aus Zorn schlagen mögen mit dem Peitschenstock — aber dann wäre es ihm mitsammt der Schlarpfe hinabgerannt über den Hang und hätte sich gar alle Beine gebrochen.

Gustl, der einzige Sohn des Grübner, kam mit dem Mittagsmahle. „Komm her, Bub!“ schnaubte ihm der Bauer entgegen, und als der Junge bei ihm war, stieß er ihn, daß die Suppe aus dem Topfe floß, und dann schlug er ihn erst, weil er das Essen halb verschütte.

Im Gebrände selbst gab es sonderbare Erscheinungen. Da lagen gebratene Vögel herum und auch ein verkohltes Reh hatten sie gefunden. Das Merkwürdigste war ein Eichhörnchen — oder war’s ein Wiesel, man kannte es nicht mehr recht — es hing an einem Baume und hatte sich fest um einen dicken, halbverkohlten Ast geklammert, war aber ganz schwarz und durchgebrannt bis auf die bleichen Beinchen. Unter all’ dem waren jedoch gar viele lebendige Würmer und Mücken; die sind klein und zart und leben fort hinaus über das Verderben und Unheil, oder sind seit demselben erst zur Welt gekommen.

Aber wie es denn geschehen sein mochte und wie es begonnen hatte? Das fragte der Grübner zehnmal. Es hat doch kein Blitz eingeschlagen in der sternhellen Nacht! Am Ende haben Vagabunden im Walde gelagert und ein großes Feuer angemacht, wie dergleichen Gesindel gern thut, oder — es ist gar von einem Nachbar geschehen aus Schlechtigkeit. Ja, schlecht sind sie genug, diese Menschen, und darum haben sie meinen Wald brennen lassen und nur das Gemeindeholz retten wollen. Der Greßbacher kann’s auch gethan haben, der ist so Einer, der! — So war das Denken des erbitterten Mannes.

Gegen Abend, als er am Wege noch einige Brände auflud, fand er im halbversengten Moose eine Tabakspfeife und ein Zündholzkästlein aus Bein. „Aha!“ rief er aus, „das ist dem Gregor sein Zeug und da liegen die Hölzlein noch herum — hat der mir den Wald —?“

Da trat Genovefa zum Bauer und sagte, daß sie Alles wisse und erzählte auch Alles, was sie wußte, setzte aber hundertmal hinzu: „Seid nicht bös auf ihn, Bauer, zu Fleiß hat er’s nicht than und er hat deswegen sterben müssen!“

Der Grübner schwieg anfangs dazu, aber später sagte er: „Ist mir immer so vorgekommen, daß dieser Mensch mein Unglück sein wird. Warum hab’ ich ihn auch nicht fortgeschickt, hat so kaum das Brot verdient, das er mir gegessen!“