„Ich thu’ nicht unschuldig, aber ich weiß auch, daß Du mir vormachen kannst, was Dir beliebt; Du mußt erst sehen, ob ich Dir’s glauben will oder nicht, daß es ich allein bin, zu dem Du das Vertrauen gehabt hast, daß er Dich durch den Wald nach Hause führt.“

„Ob Du es glauben willst oder nicht, mein lieber Anasti, das ist mir gleichviel, wenn’s nur die Andern glauben.“

„Susi!“ Er stieß mit der Brust an die Bretter und krampfte nach ihr die Finger, sie trat zwei Schritte vom Zaun zurück.

„Schau, wilder Bursche, so bist Du immer,“ sagte sie, „ob Du Eine gern hast, oder umbringen möchtest, gleich allemal mit ganzer Gewalt. Ich sehe, daß heute mit Dir nicht zu reden ist und es hat auch Zeit. Ich gebe Dir’s nur zu bedenken, Anasti, ob Du selber bei den Spornthaler-Leuten absagen willst, oder ob ich es thun soll. Bilde Dir nur nicht ein, mein Lieber, daß ich zurückstehe!“

„Kannst mich zwingen, Schinderdirn’, daß ich Dich heirate?“

„Das nicht. Ich will nur, daß Dich auch die Andere nicht soll haben. Und wie ich den Spornthaler und seine Tochter kenne, wird’s mir gar nicht schwer, daß ich meine Sach’ durchsetze. Behüt’ Dich Gott, Anasti!“

Sie ging davon. Er sah ihr knirschend nach. — Das ist der Teufel von einem Weibe! —

Dann vergingen die nächsten Tage. Ueberall wurden Vorbereitungen getroffen zur großen Hochzeit. Gratina lebte in stillem Glücke. Sie hätte den feinen Verwalterssohn von Oberlahn heiraten sollen. Lange hatten Ehrgeiz und Liebe in ihr gekämpft, endlich hatte letztere gesiegt und sie entschloß sich für den armen Küsterssohn, dessen Herzhaftigkeit sie bestochen hatte, von dessen Liebe sie überzeugt war, auf dessen Treue sie schwor. Ihr Vater ließ ihr in der Angelegenheit freien Willen und war überzeugt, daß seine vernünftige Tochter einen vernünftigen Schluß fassen werde.