In diesen Tagen leitete der Anasti das Gespräch mit ihr einmal auf die Unbeständigkeit in der Liebe, wie solche so häufig vorkäme. Da erfuhr er denn allsogleich, wie seine Braut über dieses Capitel dachte: sie verdammte die Treulosigkeit des Weibes und sie verdammte die Falschheit des Mannes. Sie würde lieber sterben, als untreu sein; und einen treulosen Mann würde sie nicht erst zur Rede stellen, sie würde sich sofort von ihm scheiden lassen. Daher nehme sie Einen, der vor ihr noch kein Verhältniß gehabt, von dem sie die Ueberzeugung haben könne, daß sie seine erste und seine letzte Liebe sei.

Der Anasti machte sonst nicht gern Worte, aber hier sagte er, daß es doch auch viele Weiber geben solle, deren Liebe zum Ehemanne so groß wäre, daß sie manchmal schier lieber durch die Finger sehen, als an eine Trennung dächten.

„Freund!“ antwortete sie darauf, „solltest Du auch mich zu diesen zählen, so könntest Du Dich grob täuschen. Ich will mit Leib und Seele dazuthun, daß Du ein rechtes Weib hast; und so verlange auch ich es von Dir.“

Das war recht klar gesprochen.

Und die Tage vergingen, die Hochzeit war kaum eine Woche mehr fern. So wußte Anasti in einem Winkel von St. Wolfgang wieder einmal das Suschen zu treffen. Er hatte sich vorgenommen, sie beim Herzen zu packen.

„Hast Du mich noch ein wenig lieb, so wirf mir kein Hinderniß in den Weg!“

Sie lachte ihm in’s Gesicht: „Eben deswegen, weil ich Dich zu gern habe, lasse ich Dich keiner Andern. Vielleicht daß Du das Kunststück verstehst: die Eine gern haben und die Andere heiraten — ich nicht.“

„Liebelei ist bei Euch Weibsleuten das Erste und das Letzte und Ihr meint, sonst gäb’s an nichts mehr zu denken.“

„Bei Euch kommt zur Liebelei noch die Falschheit dazu, da braucht man freilich einen Kopf.“