„Zwei Tage laß ich Dir noch Zeit, Anasti. Heute ist Mittwoch, am Freitag um zwölf Uhr Mittags melde ich mich im Spornthalerhof.“
„Kannst es thun,“ sagte er mit umflorter Stimme, „nur rathe ich Dir, daß Du früher beichten gehst.“
„Wie meinst das?“
„Man kann nicht wissen, was geschieht.“
Am nächsten Tage schrieb Anasti einen Brief an Suschen, er bitte sie um Leben und Sterben, sie solle ihn nicht zum Aeußersten treiben, denn das möge sie wissen, bevor er sich von der Spornthalerheirat abbringen lasse, geschehe ein Unglück.
Es kam auf diese Zeilen keine Antwort.
Am Freitag früh sah er Susi in der Kirche. Sie war wirklich am Beichtstuhl gekniet und nun stand sie lange und unbeweglich vor dem Hochaltare. Sie schien sehr andächtig zu beten; man sah es ihr nicht an, welche Bosheit sie im Herzen trug. Vielleicht jedoch hatte sie sich besonnen, oder bat jetzt um Gnade, ihre Leidenschaft überwinden, ihm zu Liebe der Rache entsagen zu können.
So dachte Anasti, der es sich gar nicht vorstellen konnte, daß nicht die ganze Welt sich um das Glück seiner Person drehen sollte. — Daß dort in der Gestalt des blonden Mädchens ein unlöschbares Anrecht, eine ewige Forderung stand an sein Leben und an sein Himmelreich, das kam seiner selbstsüchtigen Natur nicht zu Sinne.
„Heute bist Du schon gar ein Andächtiger, Anasti!“ lispelte ihm plötzlich eine Stimme zu und eine Hand legte sich auf seine Achsel, „Du kannst Dein Auge ja vom Altare gar nicht wenden!“