Gratina, seine Braut, stand neben ihm.

Er ging mit ihr aus der Kirche. Sie kehrten im Wirthshause zu, denn Anasti ließ sich neben dem schönen Mädchen aus dem Großbauernhofe gern sehen; und gleichwohl Alles in der Leute Mund kreiste, was an Scheelsucht zu kreisen hat, wenn ein beneidenswerthes Paar zusammenheiratet, so genoß Anasti doch schon jetzt all’ jene Ehren, die ihm ja in wenigen Tagen als dem vielvermögenden Spornthaler gebühren werden. Und einem Menschen wie dem Küsterssohn, der nicht viel wohlhabender war, als wie die Mäuse seiner Kirche, thun derlei Auszeichnungen über alle Maßen wohl.

Nach dem Wirthshause begleitete der Anasti seine Braut hinauf zu ihrem Hofe. Derselbe stand eine Stunde weit im Hochthale oben und der Weg dahin war gut gepflegt, nur menschenleer und ein bischen romantisch. An einer schattenreichen Waldhänge stieg er hinan und in der Tiefe brauste der Scharnbach. Dort, wo hinten das Thal sich zu breiten und das Besitzthum des Spornthalerhofes sich zu dehnen beginnt, ist ein förmliches Felsenthor. Die Schlucht mit dem Bergbache gähnt finster zwischen dem fast senkrecht aufsteigenden Gefelse; der Weg ist in die Wand eingegraben und ein massiges Holzgeländer schützt vor dem Sturz in die Tiefe. Ueber dem Wege prangt ein Bild der Mutter Gottes, deren Herz von einem Schwerte durchstochen ist. Nach diesem Bilde heißt der Punkt an der wilden Schlucht „zur schmerzhaften Mutter“.

Als sie zu dieser Stelle kamen, sagte Gratina: „Da mag der junge Spornthaler auch gleich was anwenden lassen. Wie ich sehe, wird das Geländer schon morsch. Früher ist viel geschehen bei der schmerzhaften Mutter; aber während meines Vaters Zeiten hat sich kein Unglück zugetragen.“

„Freilich muß was angewendet werden,“ antwortete Anasti, „und jetzt schauen wir, daß wir weiter kommen.“

Sie hätte dort an den Haselbüschen gern gerastet. Sie bat ihren Bräutigam, daß er ihr einen Haselstock schneide; sie wolle ein Andenken haben an das heutige Nachhausegehen mit ihm. Er that’s mit Eile und mit einem einzigen Schnitte war der schönste, schlankste Stab gelöst.

„Vor Allem, das sehe ich schon, muß ich Dir einen bequemeren Taschenveitel kaufen,“ bemerkte sie, „Du tragst ja gar ein ungeschicktes Messer bei Dir.“

„Bisweilen kann man’s schon brauchen,“ antwortete er und sie gingen weiter.

Im Hofe war große Beschau. Der Jungbauer wurde in den Ställen, Scheuern, Vorrathskammern herumgeführt; Alles strotzte vor Fülle. Schließlich ließ ihn Gratina durch die nur ein paar Finger breit geöffnete Thür in’s Schlafgemach blicken. Es war völlig fertig. Er wollte einen Schritt hinein thun, um Alles bequem sehen zu können; allein sie zog schalkhaft die Thür zu.

Als es zum Mittagessen kam, entschuldigte sich Anasti, er könne bei demselben heute nicht bleiben. Er habe noch wesentliche Vorbereitungen zum Hochzeitstage zu besorgen, komme vielleicht am Nachmittage wieder.