Die Frieda schlich ihm zweimal nach und fragte: „Gelt Blasi, es ist ganz gut?“
„Ja,“ antwortete er.
Das drittemal sagte sie: „Blasi, es ist nicht ganz richtig!“
„Ich werde heute nur etwas früher in’s Bett gehen,“ antwortete er.
Da wurde sie blaß.
Das Bett stand breit und hochgeschichtet oben in der stillen Kammer über der großen Hausstube. Es war bräutlich. Es waren die feinen schneeweißen Linnen überzogen, welche die Frieda von ihrer Pathin zur Hochzeitsgabe erhalten hatte. Und in die zwei linden Kissen waren hellrothe Bänder gestickt. Und in die weiche blaue Decke waren zwei große Herzen eingenäht. Und auf die kopfseitige Wand des Bettes war der „süße Name“ gemalt, mit dem Kreuze, mit dem Herzen und den drei Nägeln. Und darunter standen roth und schlicht die Worte: „Schlaf’ in Gottes Namen!“
In dieses Bett legte sich der junge Sandhauser einen Tag nach der Hochzeit. Die Decke mit den zwei Herzen war ihm lange nicht genug; schier alle Betten des Hauses mußten ausgeplündert werden, um den Mann mit Hüllen zu versehen — so sehr schüttelte ihn der Frost. Und bald war die helle Gluth auf seinem Antlitze und er lechzte nach Wasser.
Noch in der Nacht kam der Doctor von Koberburg heraufgefahren; der sah den Kranken an, deckte dann dessen Brust ab, hub auf dem Brustblatte an zu klopfen und horchte den Tönen, die dabei herauskamen. Die Frieda wartete schier mit eingehaltenem Athem des Ausspruches; allein der Arzt legte die Decke wieder sanft über die Brust des Kranken herauf und sagte nichts.
Erst dem Boten, der wieder mit ihm gekommen war, um die Medicin zu holen, vertraute er, daß eine Lungenentzündung da wäre.
Frieda hatte in selber Nacht nicht eine Minute geschlafen, sie wachte bei dem Kranken, rückte die Decken, rückte die Kissen stets zurecht, reichte ihm Wasser, legte ihm kalte Tücher über die Stirn, als der Kopfschmerz kam, und las in seinem trüben Auge jeden Wunsch. Er lächelte sie an, dann seufzte er wieder, dann bat er sie, daß sie schlafen gehe: „Heute unten in der großen Stube, Frieda; morgen ist’s schon besser.“