Sie wich nicht von ihm. Oft preßte sie die Hände an ihre Brust, und wenn es der Kranke nicht sah, so schlang sie sich selbst ein nasses Tuch um die Stirn.

Als am andern Tage der Arzt wieder kam, fand er die junge Sandhauserin in einem schweren Lodenrock ihres Mannes eingeschlummert bei seinem Bette kauern.

Der Arzt sah sie scharf an, langte nach ihrer Hand, um den Puls zu fühlen, und sagte: „Die Sandhauserin wird auch noch krank werden, wenn sie sich nicht schlafen legt.“

„O nein,“ antwortete sie rasch, „mir fehlt gar nichts — gar nichts —“ Eilig mußte sie den Mund schließen, um das Beben ihrer Kiefer zu unterdrücken.

„Ihres Mannes wegen,“ sagte der Doctor, „darf sich die Sandhauserin gar keine Sorgen machen. — Sie hat die Nacht über nicht geschlafen, die Aufregungen der letzten Tage sind noch vorhanden; sie hat Fieber — muß sich ausruhen, dann wird Alles wieder gut sein.“

„Arg ist’s doch nicht?“ flüsterte sie, „arg — mit ihm?“

„Na, nu — vor Allem muß auch er Ruhe haben. Geh’ die Sandhauserin zu Bette!“

Das war befehlend gesprochen.

Die Frieda beugte sich über den Kranken. „Du, Blasi,“ lispelte sie, „wir müssen schon wieder auseinander. Ich leg’ mich ein wenig nieder.“