Aber der Dorfrichter giebt ihm noch was Anderes zu bedenken. Der Flori ist seinem Alter nach stellungspflichtig: wie der prächtige Kerl dasteht, so behalten sie ihn auf der Stelle zu den Kürassieren. Will der Schwandhofer den Burschen losbringen, so muß er ihm Haus und Hof verschreiben. Für die Bäuerin ist das arg. Haus und Hof will sie nicht lassen und den Flori auch nicht. Ihr Mann sagt: zwei Wege seien schlechter als einer, daher müsse man einen davon rasch aufgeben. Er will den Burschen auf Haus und Hof schreiben lassen, aber dem Flori zu verstehen geben, daß Herrenschrift und Bauernwille nicht Ein Ding sei!

So war es veranstaltet an jenem Tage, als der Flori von dem Stelldichein mit der Vrona nach Hause kam. Fest faßte er die Thürklinke, stolz trat er auf die frisch gescheuerte Diele — seit kurzer Zeit fühlte er sich ganz Mann. Er kannte in weiter Runde keinen Herrn. Doch mit dem Vater verlangt’s ihn heute zu sprechen, nur weiß er nicht recht, will er dem Alten einen Befehl geben oder von demselben einen empfangen.

Sie sitzen jetzt in ihrem Extra-Stübel, ihrem kleinen Rathssaale, in welchem die Gesetze für den Schwandhof gemacht werden. Er sitzt im massigen Armstuhl, hat einen Polster unter dem Leder, sie auf der Ofenbank; sie ist ein seltsames Weib: sie ist still, wenn er spricht, und läßt ihn allemal ausreden, ehe sie ihre Meinung abgiebt. Es ereignet sich wohl bisweilen, daß die Meinungen der Beiden so weit auseinander stehen wie Ja und Nein; in solchen Fällen rückt zuerst sie ein Weniges, dann rückt er ein Weniges — sind noch nicht beisammen; sie beginnen wieder zu wenden und zu winden, und endlich stehen sie richtig dort, wo ein braves Ehepaar zu stehen hat: in der Einigkeit. Geht’s an einem Tage nicht, so wird darauf geschlafen, am nächsten Tage geht’s spielend. Und so halten sie zusammen seit dreißig Jahren und bestehen Alles und sind verwunderlich gestiegen an Macht und Ansehen.

Nun tritt ihr Sohn, der Flori, in das Stübchen. Er hatte bisher wohl seinen Sitz im hohen Rath — auf dem Schemel neben dem Wandschrank, auf dem die Stockuhr mit dem Glaskasten steht — aber er hatte keine Stimme. Heute setzt er sich nicht auf den Schemel, heute lehnt er sich mit dem Rücken an die Tischkante, kreuzt die Arme über die Brust und schickt sich an, als wollte er reden.

Der Schwandhofer schaut den Burschen so etwas über die Achsel hin an und stellt ihm ein paar gleichgiltige Fragen über die Wirthschaft.

Da macht der Flori den Mund auf und sagt kernhaft: „Werden wir’s halt angehen!“

Der Alte wendet bis zur Hälfte sein Gesicht, läßt die Augenlider zufallen, als wenn er schläfrig wäre, und murmelt: „Was meinst, Flori?“

„Wenn ich auf’s Haus geschrieben werde,“ meint der Bursche, „so kann ich nicht allein stehen.“

„Setz’ Dich nieder,“ lallte der Alte.