Nun hub auch die Mutter an.

„Bist denn närrisch worden, Flori!“ rief sie; „Du könntest im Gau und im Kärntnerischen d’rüben keine Unrechtere finden. Die hat Alles beisammen, was für Dich nicht paßt. Sei still und red’ nicht, Lecker! Sie hat die Stegbrunnerische Hoffart an sich. Hättest um etliche Jahre früher wohl können erfahren, dieweil solche Leut’ noch Geld haben g’habt, wie ein Bidelmann (Freier) aus der Bauernschaft dort aufgenommen ist; sie haben nicht mich und nicht Deinen Vater angeschaut, in Sammt und Seiden sind sie daherstolzirt, und bei allen Leuten der Hahn im Korb sein, das war ihr Begehren. Jetzt, weil sie ihren Wirthskeller und ihren Kaufmannsladen verhaust haben und so viel als wie Bettler sind worden, jetzt glaub’ ich’s gern, daß ihnen der reich’ Bauersohn gut genug wär’. Auf die Schönheit gehst? Möcht’ schon wissen, wo an Der die Schönheit steckt, und ich rath’ Dir, Flori, such’ sie nicht an der unrechten Stell’! Wie Du heut’ dastehst, denk’, wen Du kriegst und wen Du brauchst! Das möcht’ eine Wirthschaft sein, Du heilige Mutter Gottes! Das Verschwenden und das Feine-Frau-Spielen hat sie gelernt; von einer braven Haushaltung weiß sie nicht so viel, als meine Unterdirn im kleinen Finger hat. Nimm eine Dienstbotin, wenn sie arbeiten kann und hausen, aber Eine, die reich gewesen und arm geworden ist, stellst mir nit auf den Schwandhof, dafür bin ich und der Vater da!“

Der Alte, der sich wieder auf seinen Sessel niedergelassen, nickte beistimmend und kühl, als ob er weiter der Sache nicht genug Wichtigkeit beilegte, um sich darüber zu ereifern. Dem Flori war nun auch ein scharfes Wort aus dem heftig schlagenden Herzen auf die Zunge gestiegen, aber — wie die Weiber schon sind — seine Mutter hub noch einmal an und brachte allerlei gegen die Vrona vor, übertrieb, was das Zeug hielt, und als sie nichts Neues mehr vorzubringen wußte, wiederholte sie das Alte und wurde immer hitziger dabei, bis ihr der Alte zuwinkte: „Geh’, hör’ auf, Hanna, und laß das Traumauslegen sein!“

Da stampfte der Flori mit dem Fuße in den Boden und schrie: „Verflucht! Gegen die Vrona laß ich nichts sagen! Die wird mein Weib!“

Jetzt schlug der Alte sein Auge auf, es war grau und nebelig.

„Du ungeberdiger Laff’,“ sagte er, „zum Schreien und Fluchen ist das freie Feld draußen weit genug. Kannst gleich schauen, daß heute der Schafdung auf den Rübenacker kommt; wie es mir in dem Arm zuckt, glaub’ ich, daß wir Regenwetter kriegen.“

„Vater,“ entgegnete hierauf der Bursche, indem er seine Aufregung niederzuhalten suchte, „seit ich Hand und Fuß rühren kann, habt Ihr mich zur Arbeit gestoßen. Oft manche Stimm’ hab’ ich gehört, wie ich, der einzige Sohn auf dem großen Hof, der Narr sein kunnt’ und ließ mich hin- und herschummeln wie ein Knecht, früh und spat, jahraus, jahrein. Ich hab’ mich nicht anfechten lassen, bin willig und fleißig gewesen — wegen Vaters willen. Wer mich aber jetzt auch noch will unter den Füßen haben, daß ich nicht einmal im Weiben mein Herr sein sollt’, mit dem red’ ich aus einem andern Ton.“

„Hast ganz recht, Flori,“ höhnte der Alte.

„Dem sag’ ich, daß mich kein Gott und kein Teufel von meiner Sach’ abbringt!“