Sie reichten ihm Schnaps, daß er sich erwärme; sie huben mit ihm auf mondbeschienener Weide ein Ringen an, daß er sich bewege und wieder ordentlich belebe. Dann suchten sie den rechten Weg zur Seegrub hinab und fanden ihn bald. Unterwegs fragte der Wolfgang nach, wie es mit seiner Mutter stände. — Das Weiblein sei im Bett — sonst wüßten sie nichts.
Als Wolfgang zu ihrem Häuschen kam und an’s lichtlose Fenster klopfte, rief drinnen eine Stimme: „Bist Du’s, Wolfl? Ich bin schon wach; steig’ beim Dachthürl herein, die Hausthür’ ist heut’ versperrt, will Dir’s nachher schon sagen, warum.“
Er war gar herzensfroh, daß er sein Mütterchen im gewöhnlichen Zustande fand — zwar mühselig, aber stets heiter.
„Wirst Dir’s nicht denken,“ sagte sie, als er an ihrem Bette saß und beim Aemplein ihr weißes Antlitz mit dem Schlafhäubchen ansah, „wesweg’ ich Dich in der heutigen Nacht herübergeplagt hab’. — Ja, ich muß Dir was sagen, Wolfl — aber gelt, die Agatha ist noch in der Ordnung?“
„Sie laßt Euch grüßen, und weil ich sehe, daß es Euch insoweit gut geht, Mutterl, so will ich wohl gleich wieder heimzu laufen. Lang’ wird’s nicht mehr dauern mit der Agatha.“
„Schau, das hab’ ich mir auch gedacht, und da hab’ ich kein Stündl länger wollen warten mit dem, was ich Dir sagen muß. Wirst sehen, mein Wolfl, was ich Dir für eine falsche Person bin! Weiß recht gut, daß Du das Lotteriesetzen nicht leiden kannst, und so hab ich’s heimlich gethan. Geh’, geh’, die alten Weiber,“ setzte sie bei, „’s ist ein’s wie’s andere. Nu, lachen muß ich auch.“
Und sie lachte und kicherte. Der Wolfgang meinte, daß es für sie wohl gescheiter wäre, sich bisweilen ein stärkend’ Gläschen Wein zu gönnen, anstatt die blutigen Kreuzer in die Collectur zu tragen.
„Und jetzt,“ fuhr sie kichernd fort, „hab’ ich gestern närrischerweis’ einen Terno gemacht.“
Da horchte der Wolfgang auf.
„Hab’ zuerst hell gemeint, der Amtmann foppt mich, wie er mir’s sagt — und richtig ist’s: neunhundert Gulden und noch was dazu. Da d’rin im Bettstroh ist das Geld. — Du zitterst ja frei, Wolfl, hat’s Dich so geschreckt?“