Der Fieberfrost war da. Die Magd wurde geweckt, daß sie eine heiße Brühe bereite. Der Mann trank sie mit Behagen und sagte nichts, wovon der Frost herrühre.

„Jetzt, das ist ein Glück!“ sagte die Alte, „und ich hab’s nimmer ausgehalten und hinübersteigen kann ich auch nicht mehr zu Euch, so habe ich Dich halt kommen lassen. Das Geld nimmst mit; na, Du, das nimmst mit! Was thät’ denn ich’s brauchen, Du Kindisch! — Es ist das Taufgeschenk für Dein Kindel. Du, Wolfl, aber gleich steckst es ein. Das wär’! Thät’st mich bitter kränken. — Und jetzt, wenn Du meinst, daß es daheim nicht mehr lang’ dauern wird, so mach’ Dich wieder auf und thu mir sie grüßen!“

O Mutterherz! mit Dir fängt dein Wolfgang das neue Jahr an. In der Seegrub verließ er Dich, in Amsterdorf fand er Dich. Und als der blasse Mond niedersank und die helle Sonne emporstieg, gesegnet mit einem jungen, blüthenreichen und fruchtbaren Jahre — da drückte der Vater seinen ersten Knaben an’s Herz.

Mein einziger Sohn.

Diese Geschichte ist entnommen den Aufzeichnungen eines vielgeprüften Mannes. Sie erzählt von dem Niedergange eines zweifachen Menschenglückes, giebt aber Kunde von dem Siege des Herzens und weist uns schließlich mit wenigen schlichten Worten eine große That der Selbstaufopferung, die uns versöhnt. — In den Papieren eines Gutsbesitzers steht Folgendes zu lesen:

Ich hätte studiren und mich dem Richteramte widmen sollen. Aber ich habe es vorgezogen, ein einfacher Landmann zu bleiben. Ein stilles, arbeitsames Leben zu führen, war mein Sinn. Ich wollte nicht Menschen richten und nimmer von Menschen gerichtet werden. Der Landmann lebt und wirkt an den Stufen des Thrones Gottes, und geradewegs von Gottes Hand empfängt er den Lohn oder die Züchtigung.

Ich erwarb mir ein Gut auf stillem Gelände und führte viele Jahre lang ein glückliches Leben. Ich hatte ein einziges Kind — einen Sohn, und ich war in dem Knaben selbst wieder ein Kind. Es ist wunderbar zu fühlen, wenn man sich ein zweitesmal selbst wieder heranreifen sieht zur Welt, zum Leben, zu all’ den großen Freuden, hinter denen aber die Enttäuschungen schlummern, wie die dürren Blätter des Vorjahres unter dem blühenden Rosenstrauche des Lenzes. Das Kind sieht nicht die dürren Blätter, es sieht nur die hellen Rosen.