Mit meinem Sohne war’s nicht viel anders. Ich sah die Gefahr, die da aufstieg, und warnte den Burschen mit tiefem Ernste.
„Warum?“ rief Alfred einmal, „soll es nicht sein, weil sie eines armen Beamten Kind, oder weil sie um etliche Monate älter, als ich, oder weil ich noch keine Stellung habe, um zu heiraten?“
„Mein Sohn,“ sagte ich, „zu fragen hat der Vater. Ich bin Dir keine Begründung meiner väterlichen Fürsorge schuldig. Ich verstehe die Dinge besser als Du, das kannst mir getrost glauben. Ob Du es für nöthig erachtest, schon an einen eigenen Hausstand zu denken, das ist Deine Sache. Die Tochter des Gerichtsschreibers aber ist kein Weib für Dich.“
Alfred entgegnete kein Wort und ging davon.
Er ging von nun an noch einsamer und träumerischer umher.
Mich dauerte er sehr, der arme Junge; ich kann mir’s zum Theile denken, wie es sein mag, wenn man befangen ist in Liebeswahn, und das junge Blut wogt wie ein Alpensee im Frühlingsföhn, wenn die Lawinen stürzen, und man ist nicht mehr Herr seines Herzens, und hat kein Anrecht in seinem eigenen Haupte — am Steuerrade der Vernunft.
Auf dem Wege in das Kreisstädtchen wurde Alfred oft gesehen.
Und eines Tages kam er nicht zurück in unser Haus. Verschwunden war er aus der Gegend, und verschwunden mit ihm die Tochter des Gerichtsschreibers.
Ein Brief ohne Poststempel kam mir zu; der lautete, wie folgt: