Nach einem Weilchen entgegnete der Bursche: „Bringst es denn über’s Herz, Juliana, daß Du mich so in den Erdboden hinein predigen kannst?“
„Du wachst mir schon wieder heraus!“ lachte das Mädchen. „Mach’ nur kein so hantiges Gesicht. Geh’, gieb mir die Hand! — So. Bist halt doch mein lieber Narr. Behüt’ Dich Gott! Und jetzt geh’ heim.“
Dann gingen sie auseinander.
Als Julchen auf ihren Hof zurückkam, hob wieder Einer den Arm, aber nicht zum Jurament, sondern zum Schlage. Der Bauer war’s, der Steghofer, bei dem das Mädchen diente. Sie war ein Viertelstündchen über die Zeit ausgeblieben.
Der Steghofer — die Leute kannten ihn ja und wissen es noch heute recht gut wie er’s trieb — war ein roher, jähzorniger Mensch; das hat selbst Crispin, das einzige Kind des Hauses, erfahren. Der Himmel hatte dem Manne die größte Gnade versagt; Crispin war nur ein „angenommenes“, ein Stiefkind. Indeß war es allbekannt, daß Crispin der eigentliche Herr des Hofes sei, daß er nach Verzichtleistung oder nach dem Ableben des Alten die Wirthschaft ganz und gar übernehmen werde. Wenn der Bursche trotzdem von dem Steghofer behandelt wurde, wie der niedrigste und verhaßteste Knecht, so lag die Ursache dafür einzig nur in der zuwideren Wildheit des Bauers, der stets was zu verfluchen und zu prügeln haben mußte. Die Mutter war todt. Leser, in dieser einen Nachricht hast Du den Ursprung zu suchen des Schrecklichen, das geschehen wird.
Die Mutter war todt. Die Güte und die Liebe war aus dem Hause getragen, die stets Schlichtende, Versöhnende, willig Duldende war aus dem Hause getragen, noch ehe der Knabe ihren fraulichen Einfluß auf ihn erfahren hatte. Die Willkür, die Leidenschaftlichkeit und Rohheit seines Stiefvaters war sein Elend und sein Vorbild geworden. Aber schlauer war der Junge, als wie der Alte. Er wußte, was der Alte wollte — der Alte wollte viel! Er sah, was der Alte erreichte — der Alte erreichte nichts. Mit Poltern und Schlagen geht es also nicht; man muß es daher viel feiner machen....
Der Alte verfluchte den Jungen laut; dieser jenen still. Letzteres ist gefährlich. Anfangs vertraute Crispin seine Bitterkeit dem Julchen. Dieses sagte, zu ändern wäre es nicht, so solle er darin seinen Mann zeigen, daß er gelassen ertrage, was zu ertragen sei.
„Auch die Prügel?“
„Die halte Dir vom Hals, aber gieb sie nicht zurück; Crispin, nur das nicht. Dieselbe Hand, die den Vater, die Mutter schlägt, hat Gott in Ewigkeit gegen sich.“