Franz war es. Er war der Meinung, den alten Steghofer, der auf dem Herde saß, getödtet zu haben. Er hatte es nicht gesehen, wer von seiner Kugel getroffen zu Boden gestürzt war.
„Jesus und Maria! Was ist das!“ hatte Juliana ausgerufen. „Der Franz, der Franz hat geschossen. Der Wachszieher hat hereingeschossen! Ich hab’ ihn durch’s Fenster gesehen!“
Einen Schrei zum „gerechten Gott“ hatte der Gottesleugner noch ausgestoßen. Und dann, von Blut übergossen, das aus seiner Brust emporsprudelte, mit brechender Stimme hatte es Crispin bekannt, was mit dem Wachszieher verabredet war, und wie dieser nun treulos auf ihn geschossen habe.
„Mir,“ gurgelte der alte Steghofer, „mir hätte das gegolten?“ Und dann hastete er hinaus, hinab in den tiefsten Keller, und schloß sich ein, und betete und zitterte die ganze Nacht vor Mörderhänden und vor Kälte. Bald hatten sich um den Steghof Leute versammelt; die Einen legten den todten Crispin auf das lange Brett, die Anderen waren auf, um den Mörder zu verfolgen. Das Schußgewehr hatten sie bald gefunden, und man hatte es als das des Wachsziehers erkannt. Sie wollten es nicht glauben, daß der sanfte, fast blöde und sonst so gottesfürchtige Bursche diese That verübt haben sollte. Die es aber glaubten und den Erhebungen zufolge glauben mußten, die fluchten sowohl über die Scheinheiligkeit des Einen, als über die Glaubenslosigkeit des Andern.
Mit Fackeln durchzogen sie den Wald; eine Menschenspur im Schnee leitete sie gegen die Natterklamm.
„Sollte er denn nach Hallwies hinausgegangen sein?“ fragen sich die Leute.
„Ja, ja, der ist auf kürzestem Wege zum Gericht gelaufen, um sich selbst anzuzeigen,“ gaben sie sich Antwort.
Als sie zur Klamm kamen, zog die Fußspur dem Stege zu — und der Steg war eingestürzt. Die Balken niedergebrochen und in den Eis- und Schneemassen der Tiefen kaum mehr zu sehen. Der Schein der Fackeln vermochte nicht, in den Abgrund zu dringen. Jenseits der Klamm waren die Tritte nicht mehr zu spüren.
„Also hier am Sündensteg!“ sagten die Leute.