Still und mit gesenkten Fackeln kehrten sie in ihre Häuser zurück.

Als sie nach zwei Tagen — es war der siebente Tag nach der Neujahrsnacht — den Sarg des Crispin durch den Wald und an den Felswänden herübertrugen, brauste ein Wettersturm; und als sie den Crispin begruben, machte es der Caplan mit seiner Einsegnung so kurz als möglich. Hingegen begann auf dem Heimweg die alte Haushälterin des Wachsziehers zu erzählen, wie sich der Franz in den letzten Tagen benommen hätte. — Gar wie ein Irrsinniger. Beim Tag nichts gearbeitet, nichts gegessen, alleweil in Büchern geblättert und wie im Traum herumgegangen, bei der Nacht so laut aus dem Schlafe gesprochen, daß sie es in ihre Kammer hören konnte, wie er rief: „Fort muß er! Steghofer, Du mußt fort, ich hab’s meinem Herrgott versprochen!“

Der alte Steghofer war aus seinem Keller kaum mehr hervorzubringen; der Schreck schien in seinem Gehirn etwas zerstört zu haben, die Todesfurcht zerriß seinen Organismus. Nach wenigen Wochen starb er. Juliana war Erbin des Steghofes. Sie konnte sich aber nicht freuen.

In dem darauffolgenden Sommer fanden sie in den Klüften der Natterklamm die Reste des unglücklichen Franz. Sie wurden im Walde begraben. Einer von den Fremden, die aus Hallwies gekommen waren, hielt folgende Grabrede: „Diese einsame Grube und jenes jugendlichen Mannes Grab auf dem Kirchhofe sind zusammen verbunden. Mörder liegen darin — Gemordete liegen darin. Soll ich die Meuchler nennen, denen diese unseligen Menschen zum Opfer gefallen sind? Die Bigotterie und der Unglauben.“ —

Die Gräber sind verwachsen und verwildert. Der Steghof ist verkauft, Juliana hat ihr Glück in einer andern Gegend gesucht und gefunden.

Der „Sündensteg“ ist wieder neu gezimmert; die alte Sage ist durch das Ereigniß aufgefrischt worden; aber Wenige erfreuen sich eines so guten Gewissens, um furchtlos über den Steg zu wandeln.

Der Thürmer von Münsterwald.