Der alte Mann läutete und läutete — vergaß in der Freude auf das Aufhören. —

Die Missionspriester blieben noch einige Tage in Münsterwald.

Immer größer wurde der Andrang zu ihren Predigten und ihren Beichtstühlen. Spät Abends noch stieg der Schwarzbart täglich in den Thurm hinauf. Die Leute meinten, der Pater sei sicherlich ein Sterngucker und betreibe von den Thurmfenstern aus seine Studien.

Einmal, es war am vorletzten Tage der Mission, kletterte auch ein Anderer die finstere Stiege empor, der wohl in seinem Leben nicht gedacht haben mochte, daß er einmal einer gar absonderlichen Angelegenheit wegen auf den Münsterwalder Kirchthurm sollte steigen müssen. Es war der Korbflechter Martin aus Grabendorf, welches Dörfchen als Vorort von Münsterwald gilt. Der hatte heute mit dem Thürmer zu sprechen. Es ging aber ungelenk, denn der Thürmer war schwerhörig und der Korbflechter heiser. Es sprach sich ungern aus, was ausgesprochen werden mußte. Unten durch das Beichtstuhlgitter hatte es sich so leicht hineinflüstern lassen, denn das wußte der Martin, was man dem Beichtvater sagt, das sagt man dem Grab. Und darauf rechnete er. Aber diesmal saß der Schwarzbart drinnen; der war sonst der Gütigste und jetzt auf einmal der Strengste, der verweigerte dem Beichtenden die Absolution.

„Zu Dir hat er mich heraufgeschickt, Thürmer,“ berichtete der Korbflechter Martin, „Dir soll ich es beichten und wenn Du mich lossprechen könntest, so wollte er es auch thun. Das ist hart für mich! Es hat mir ja schon lange kein Gut gethan da drinnen, schon lange hätte ich Dir’s gern anvertraut, aber Du kannst Plaudern, Dir verwehrt’s Niemand, und dann hetzen mich die Leut’ aus, wie sie den armen Valentin ausgehetzt haben. Ich will Dir’s sagen, mein lieber Thomas, Du kannst unchristlich sein und einen armen Familienvater zugrunde richten, kannst es! freilich kannst es! aber darum wird Dein Sohn doch nicht mehr zurückkehren; im Himmel wirst ihn sehen, wenn Du mit mir barmherzig bist!“

„Was weißt Du denn für eine schreckbare Sach’, daß Du einen so großen Anlauf nimmst?“ fragte der Thürmer.

„Dir mag’s vielleicht nicht schrecklich sein, wenn ich Dir sag’, daß Dein Valentin dazumal ganz unschuldigerweis’ fortgejagt ist worden?“

„Das sagst Du mir nicht mehr, mein lieber Martin.“

„Weißt Eins, ist’s gut; aber das Andere weißt Du doch nicht!“

Jetzt hob sich in der Glockenstube knarrend der Hammer. Der Korbflechter zuckte zusammen, aber der Thürmer sagte: „Es wird Dich doch nicht erschrecken, wenn die Uhr schlägt!“