Am jenseitigen Ufer saß in leichtem Sommerkleide eine Mädchengestalt, welche ihre Füße im Wasser badete. Die beiden Jünglinge im See wollten sich wenden und fliehen, aber ein warmer Hauch ging jetzt über den See, kurze Windstöße begannen auf der Fläche zu graben, das Wasser wurde wogend und trieb die Priester gegen das Ufer hin, wo jenes Mädchen saß.

Als das Mädchen die beiden Menschenköpfe von der Weite des Sees gegen sich herangleiten sah, wurde ihm unheimlich. Rasch zog es die Füße aus dem Wasser und floh in das Dickicht hinein.

Lorenz und Dominicus mußten, von den erregten Fluthen gepeitscht, an das Ufer springen und sahen sich nun rathlos nach Hüllen um, da sie ihre Kleider jenseits des Sees gelassen hatten. Dominicus fühlte heiße Lanzenstiche in seinen Körper dringen, wenn er an zwei Augen dachte, die, im Gebüsch versteckt, sich nach ihm richten konnten. Lorenz meinte, es sei auch für sie Beide das Beste, in’s Dickicht zu schlüpfen, und eilte so, aus Angst, von dem Mädchen gesehen zu werden — demselben nach.

Dominicus flocht rasch grünes Laub der Buchen um seinen noch in hellen Tropfen perlenden Leib und umging den rauschenden See, die Kleider zu holen.

Sie hörten das Murren nicht im Gewölke, sie sahen die Habichte nicht, welche über dem See kreisten, sich fast bis in die Nebel erhoben und deren Gefieder dann und wann wie von einem verlorenen Sonnenstrahl getroffen schimmerten. Und sie sahen auch den schwarzen, weißberänderten Schmetterling nicht, der über dem Busche flatterte.

Von der Rothwand wiederhallten die Schläge der fünften Stunde. Dominicus suchte den Gefährten und konnte ihn lange nicht finden. Als auch dieser sein priesterliches Gewand wieder angethan, gellte in den Haselsträuchen ein unterdrückter Schrei, und Lorenz zog den Andern hastig mit sich fort, um nach der Vesper zurecht in die Kirche zu kommen.

„Lorenz,“ sagte Dominicus, „Du bist gotteseifriger geworden im See.“

„Ich wünschte es Dir vom Herzen, Bruder,“ entgegnete der Andere, „daß auch auf Dich der Frieden gekommen wäre, welcher mich nun erquickt. Das erstemal in meinem Leben, daß ich ihn so empfinde.“

Das Wort hat ein Drittes gehört.

Sie stiegen den Hang empor, sie gingen durch den Wald, in welchem die Bäume rauschten, sie eilten dem Kloster zu, dessen Kirchthurmspitze wie ein Degen zum Pariren gegen die Wetterwolken aufstrebte. Leichten und heiteren Gemüthes waren sie, als sie sich zu den Brüdern gesellten, welche zerstreut mit Büchern in der Hand im Parke wandelten und sich nun anschickten, vor dem nahenden Gewitter Obdach zu suchen.