„Ja, mein Freund, wenn Ihr mit solchen Prätensionen kommt, so ist Euch schwer zu rathen,“ sagte der junge Beichtvater und lächelte voll Sanftmuth. „Wolltet Ihr nicht, wie die heilige Elisabeth, Euer Hab und Gut den Armen, oder wie die heilige Hema, die, wie Ihr wißt, besonders in diesen Bergen hochverehrt wird, Euer Vermögen der Kirche weihen?“
„Gern,“ sagte der Koloman, „aber im Testament, wenn’s noch Zeit wär’ und mein Weib nichts dagegen hätt’.“
„Ihr lebt im Ehestand?“ fragte der Priester völlig überrascht.
„Ja, bisweilen, und so seit ein paar Jährchen her,“ antwortete der Koloman; „angerathen ist’s mir worden, daß ich heiraten sollt’, und der heilige Büßer Franziskus, lese ich, ist auch verheiratet gewesen.“
Der Priester schwieg ein Weilchen.
„Ah, Freund,“ sagte er dann, „Ihr habt noch weit dahin, Euch von den irdischen Begierden frei zu machen. Im Vereine mit Euerer Ehegattin müßt’ Ihr gegen den Bösen streiten. — Euer Weib geht doch auch häufig zur heiligen Beichte?“
„Recht passabel,“ sagte der Koloman, „und wenn’s leicht ging’, so möcht’ ich auch sie mit mir in den Himmel hinaufschleppen.“
„Ein neuer Beweis Eueres christlichen Sinnes,“ bemerkte der Beichtvater; „wie wäre es doch, lieber Freund, wenn Ihr dem heiligen Josef nachfolgen wolltet? Auch Josef war ein Ehemann und ein Mann nach dem Herzen Gottes —“
„Und Zimmermann!“ rief der Koloman aus, „Zimmermann wie ich. Ja, das ist ausgezeichnet, auf den heiligen Josef hatt’ ich bei Gott ganz vergessen; freilich, freilich, der ist der Rechte, und — nicht wahr, Hochwürden,“ setzte er kleinlaut bei, „geschehen ist ihm nichts? — gesteinigt, enthauptet, oder so was? — nicht? — Punctum, beim Josef verbleib’ ich.“
In Folge dieses vortrefflichen Vorsatzes wurde dem Koloman die Lossprechung „von allen seinen Sünden“ ertheilt; „Auch von den zukünftigen?“ fragte er noch in äußerst unbedachter Weise, allein der Beichtvater hatte zum Glücke schon den Schuber geschlossen.