„Freunde!“ rief Stroche, der älteste und verschlagenste vom Kleeblatt, „Ihr wißt, ich kenne diese Gegend und die Leute, die ihres Aberglaubens wegen so berühmt sind, wie etwa die Oberammergauer ihrer Passionsspiele halber. Es giebt anderswo auf der ganzen Welt keine Pinzgauer mehr. — Und jetzt habe ich eine Idee.“

„Ah, Ideen hast Du viele,“ rief Grußing, „zeige endlich nur einmal, daß Idealisten auch praktisch sein können, denn die böse Welt will das nicht glauben.“

„Ich werde sie überzeugen,“ versetzte Stroche trocken. „Frischer, willst Du mir zum allgemeinen Besten Deinen Schnupftabak zur Verfügung stellen? Die Dose magst für Deine alten Tage behalten. — Und Du, Bruder Grußing, willst Du Dich einmal ein bißchen todtschießen lassen?“

„Oh, mit Vergnügen!“ rief der Gefragte.

„Schön,“ sagte Stroche, „so werden wir morgen Geld haben. — Der schwarze Hannes ist wieder ausgebrochen, merkt Euch das!“

Sie lugten ihn an und dachten: Ist ein komischer Kautz, der Stroche.

Dann stiegen die Drei in’s Gebirge hinan, einem Hirtenhause zu, das versteckt war zwischen Wald und Wänden. Unterwegs hatte Stroche mit dem „Jusdoctor“ viel zu reden, und es wurden in einem Versteck die Kleider umgekehrt und der Plaid in Form eines alten Bauernmantels aufgeheftet, es wurde mit ausgepreßtem Kräutersaft das Gesicht Grußing’s braun gefärbt, es wurde das Hinken auf dem linken Fuß eingeübt und Mehreres dergleichen. Dann gingen die Zwei, Stroche und Frischer, in die Halterhütte. Der Halter — Duckmichel hießen sie ihn — war ein kleiner, rühriger und doch unbeholfen und blöd aussehender Mann; nur in dem stets halbgeschlossenen Auge hatte er jene stechende Gluth, die bei fanatischen und abergläubischen Leuten so häufig zu bemerken ist. Und die ganze Hütte war inwendig mit geweihten Weidenzweigen, Amuleten, Alraunen u. s. w. behangen.

Die beiden Studenten — Stroche war nicht ganz fremd im Hause — wurden mit bäuerlicher Höflichkeit, die ein Gemisch ist von Naivetät und Koketterie, empfangen und mit Brot, Butter und süßer Milch bewirthet. — Thäten allbeide auf geistlich studiren, hätten ein heißes Jahr hinter sich — die siebente Schul’, wo der Theolog mit dem Teufel die erste Bekanntschaft machen müsse.

„So, so,“ sagte der Duckmichel und klopfte an dem Fingernagel des Daumens die Asche seiner Pfeife aus. „So, so! Thuen die Herren nur essen und trinken! Gesegne Gott, wir haben noch was in der Kammer. Ist wohl vergunnt! — Die siebente Schul’, die schwarz’ Schul’, heißt’s, mein’ ich —? Na, gelt, weiß es ja. — Viel dicker auf’s Brot streichen, junger Herr, die Butter! Recht schad’, daß uns der Honig ist gar worden. — Schau, schau. — Vor nächst Jahren sind auch einmal so Herren heroben gewesen; die haben dem Nachbar da unten, dem Schlederer-Ferl — heißt er — der Müh werth ein bissel ein Studentenpulver gegeben.“

„Aha,“ murmelte Stroche seinem Genossen einen recht absichtlich vielsagenden Blick zuwerfend, „ägyptisches Pulver meint er.“