„Was denn? So red’, wenn Du was weißt!“
„Die Naturforscher, das sind lauter hochgelehrte Männer, Wirthin, denk’ Dir g’rad einmal den alten Schulmeister von der Radau. Du weißt, der hat schneeweiße Haar und thut rechtschaffen Tabak schnupfen; hat aber — mußt wissen — seine großen Glasaugen auf und sitzt Tag und Nacht bei seinen alten Büchern und G’schriften, und ist ein gar gelehrter Herr, und ein bissel zaubern —“ der Fritz ließ einen forschenden Blick umherschießen — „’s selb’ kann er auch.“
Die Wirthin saß recht breit auf einem Stuhle da, hielt die Arme über dem Busen gekreuzt, in einer Hand die Pfeife, und that nichts, als den Kopf schütteln.
Der Bote schob das leere Schnapsgläschen vor sich über den Tisch hin: „Geh’, Almwirthin, noch ein paar Tröpfel von Deinem guten Geist.“
„Alle guten Geister lobt unser Schickbot’,“ rief ein Schalk unter den Halterleuten, die beim Ofen saßen.
„Ja Du, und daß ich Dir’s sag’, Frau Wirthin,“ fuhr der Fritz fort, „die Naturforscher, das sind halt auch so weißhaarige Herren, wie der Radauer Schulmeister; haben aber — rath’ ich — noch größere Glasaugen, wie der, weil sie ja noch viel mehr Bücher lesen und viel gelehrter sind und noch viel flinker zaubern können. Ja, Leut’, ’s ist kein Spaß nit, die Naturforscher haben die Welt erfunden!“
Jetzt schlug die Wirthin ihre Hände zusammen, daß es klatschte: „Die Welt haben sie erfunden?! — Na, Du, Fritzl, die Welt, die hat der Gott Vater erschaffen!“
Der Fritzl nippte von dem neu angekommenen „guten Geist“, den der Almwirth selber aus Ingwerwurzeln brannte. „Der Gott Vater!“ murmelte er dann vor sich hin, „kann eh’ sein. — Aber — nachher möcht’ ich schier wetten, daß der Gott Vater selber zu den Naturforschern gehört.“
„Geh’, geh’!“ rief Einer vom Ofen her, „bist leicht auch so Einer, der einen neuen Glauben aufbringen will?“
„Nu, nu,“ besänftigte der Alte, „sag’s halt nach, wie ich’s gehört hab’. Dahinter ist schon was und die Naturforscher sind im Land, das läßt sich nicht leugnen. In der Grazerstadt drin haben sie die alten Herren recht in Ehren gehalten. Den ganzen Schloßberg, hab’ ich gehört, hätten sie vor Freud’ angezunden über und über — so viel hätten sie beleuchtet. Bei allen Fenstern — und es giebt viel Fenster in so einer Stadt — hätten sie die Fahnen herausgereckt und Einer hätt’ gar auf die Dominikanerkirchthurmspitz’ eine Fahn’ gesteckt. — Muß wohl was dahinter sein, Unsereiner kann sich das nicht auslegen.“