»Die auf den Hochschwab geht. Gelt, dir ist es recht?«

Der Hauptmann stopfte seine Pfeife und sagte nichts. Ihm war zumute, als ob ihm jetzt etwas sehr Unangenehmes passiert wäre, und er konnte oder mochte sich doch keine Erklärung geben, weshalb er seine Frau nicht mit der Partie wissen wollte. Sie hat ja recht, hat zwei gesunde Füße und die Berge sind ihre Freude. Warum nicht? Der kleine Fritz zu Hause ist geborgen und versorgt. Allein …

»Wirst du dich denn auch unterhalten mit den weltfremden Leuten?« fragte er sie fast zärtlich.

»Die werden mich wenig kümmern,« antwortete die Frau, »ich gehe nur mit meinem Bruder Hans. Und am Abende, sagen sie, können wir wieder zurück sein.«

»Es wird etwas spät werden,« bemerkte der Hauptmann kleinlaut. Weil sie betrübt war, daß er keine bestimmte Antwort gab, sagte er endlich: »Ja, ja, Weibchen, wenn es dir Vergnügen macht, gehe nur.«

Am nächsten Morgen wollte er ihr noch Verhaltungsmaßregeln sagen, denn für den Hochschwab kam sie ihm etwas zart und unerfahren vor. Doch als er aufwachte, war sie längst schon fort und ihr leeres Bett hatte nur die herzige Unordnung der verschobenen Decken und Kissen, in welchen stellenweise noch der Eindruck ihres Körpers zu sehen war. Schon um drei Uhr morgens, so erzählte die Kindsfrau, wären die jungen Herren draußen gewesen, aber bevor sie noch am Fenster klopften, sei die gnädige Frau flink und leise aus dem Bette gesprungen und kurze Zeit darauf schon vollkommen marschfertig mit ihnen gegangen. Im Wirtshause wäre Tee gekocht worden und dann habe man die Gesellschaft vom Waldschachen her, wo sie angestiegen, noch munter lachen gehört. Es müßten lustige Leute dabei sein, und über Studenten stehe einmal nichts auf.

Als einst bei Serajewo der Arzt dem Hauptmann Fortner mitgeteilt, daß er sich für alle Zukunft mit einem einzigen Beine werde behelfen müssen, war ihm ein wenig weh geworden ums Herz. Aber so nicht wie jetzt, so weh nicht wie jetzt. Der Zeiger der Uhr stand auf sechs, noch fünfzehn Stunden oder länger, bis sie wieder da sein wird. Mißmutig suchte er sein Holzbein anzuschnallen, es wollte nicht recht gehen, die Kindsfrau machte sich erbötig, ihm dabei zu helfen, er wies sie fast unwirsch zurück zum Knaben und bediente sich zur Not allein.

Im Laufe desselben Vormittags, als der Hauptmann unter der Linde saß, kam der Fleischerknecht mit dem großen Hunde des Weges; ein Kalb wurde herangezerrt und gehetzt. Der Hund sprang hinten drein, bald links, bald rechts, bellte heftig und tat, als ob er dem Kalb in die Beine schnappen wollte, so oft es sich weigerte zu gehen.

»Mylord, setz ab!« rief der Bursche dem Treibhund zu; da stellte dieser augenblicklich seine Arbeit ein und der Fleischer band den lockergewordenen Strick sorgfältig um den Hals des Tieres.