»Sei ganz unbesorgt,« entgegnete er, »Vorwürfe werde ich dir nicht machen. Aber das wirst du dir merken: heute bist du das letztemal mit fremden Leuten auf einer Landpartie gewesen.«

Sie blickte ihn betroffen an.

»Außer in meiner Gesellschaft wirst du keinen Fuß mehr in die Welt setzen.«

»Deine Gefangene also,« entgegnete sie. »Es ist wohl ein Verbrechen, auf den Berg zu steigen. Es geht zwar alles hinauf, nur die Philister nicht. Und die Krüppel nicht. Ich will mein junges Leben –«

»Kein Wort mehr! – Du hast weder Takt noch –« Er sprach das Wort nicht aus.

Sie war still. Mit einer Handarbeit machte sie sich zu schaffen.

»Ich werde keine Landpartie mehr machen,« schluchzte sie in ihr Spitzentuch hinein. »Ich will vergessen, was das ist, auf einem Berg zu sein. Ich werde zu Hause bleiben. Das werde ich tun, ich verspreche es.« Und sie weinte kläglich.

Er verließ ihr Zimmer, denn lange wäre es ihm nicht möglich gewesen, fest zu bleiben. –

Seit diesem Tage war es schon eine Weile her. Der Schwager Hans hatte anfangs fast Duellgedanken gehegt, sich endlich aber dafür entschieden, nicht mehr in das Haus des Hauptmanns zu gehen, solange dieser ihn nicht ausdrücklich zu sich bitte. Der Hauptmann bat ihn aber nicht zu sich. Sein Verhältnis zur Frau war äußerlich wie früher. Von der Alpenpartie war nicht ein Sterbenswörtchen mehr gesprochen worden. Nur der Kindsfrau war eines Tages eine anzügliche Bemerkung über die schönen Studenten entschlüpft, das kostete ihr den Dienst. Der Hauptmann zahlte ihr auf der Stelle den Monatslohn aus und sie war entlassen. Frau Emma war seit jenem Tage in der Tat nicht hundert Schritte vom Hause fortgegangen. Sie saß immer, auch beim schönsten Sommersonnenschein, in ihrem Zimmer oder im Hofraum neben dem Hühnerstall und stickte altdeutsche Zieraten in Tisch- oder Bettwäsche.