»Aber es wäre so nett, wenn wir säßen da oben unter dem Ahorn und ins weite Tal hinausschauten und plauderten, und Fritz spielte neben uns im Grase oder sammelte Beeren.«

»Nimm ihn nur mit,« sagte sie, ohne aufzublicken. »Ich warte, bis er so groß ist, daß man mit ihm Alpenpartien machen kann.«

»Muß es denn gerade eine Alpenpartie sein?« fragte er, sogleich ärgerlich.

»Das muß es nicht,« sprach sie, »darum sage ich ja, daß ich zu Hause bleibe.«

Also ging er wieder allein davon. Dieser Sommer war besonders einladend zu Spaziergängen. Die morgendlichen Wiesen voll Taues, die mittägigen Wälder voll Blumenduftes und Schmetterlingsgegaukel, die abendlichen Schluchten voller Lichtspiele. Und die Vollmondnächte mit ihrem stillen, fast überirdischen Zauber – dem einsamen Menschen wurde immer nur weh' im Herzen. Blumen pflückte er, Waldfrüchte sammelte er und brachte sie heim seinem Weibe.

»Ah, wie hübsch!« sagte sie, »danke dir!« legte den Strauß neben sich hin und stickte.

Einmal brachte er sie bis zum Baumgarten. Sie saß unter einem Apfelbaum und arbeitete. Manchen kurzen Blick tat sie hinaus zwischen den schlanken Stämmen und dem luftigen Laub in die freie, mit silberigem Duft gesättigte Gegend, er merkte ihr an, wie wohl ihr war und sein Entzücken darüber, er vermochte es nicht zurückzuhalten.

Da sagte Frau Emma plötzlich: »Ich glaube es wird kühl,« raffte ihre Sachen zusammen und ging hinab zum Hause.

So war es Sommer für Sommer. Frau Emma saß in ihrem Zimmer oder im Hofe, der Hauptmann strich mit seinem Stelzfuße über die Matten, über sonniges Heideland, in schattenfrische Gründe. Fritz wuchs heran, ward ein aufgeweckter Junge, blieb aber, wenn er auf den Schulferien zu Hause war, weder bei der stickenden Mutter in der Stube, noch ging er mit dem beschaulichen Vater. Er suchte Kameraden, mit denen er auf die Bäume kletterte, auf hohen Stelzen gehen, in den Bächen Krebse fangen und andere Knabenlust hegen konnte.