»Wenn du ausgeruht hast,« sagte er, »so lade ich dich ein, mit mir zum Abendbrot zu kommen.«
»Hier hast du eine merkwürdige Welt um dich,« lautete meine Entgegnung, »ich habe diesen stillen, meerumschlungenen Hain als Knabe im Traume gesehen, zur Zeit, da wir die nordische Mythologie studierten.«
»So ist es,« antwortete er rasch, »so ist es, Mythologie! Darum kann dieser Ort so anheimelnd und so schrecklich sein.«
»So schrecklich?«
Jetzt faßte mich Wendel an meinen beiden Händen und sagte: »Geliebter Freund, ich danke dir tausend-, vieltausendmal, daß du zu mir gekommen bist.«
Seine Stimme war so bewegt, daß es mir durch Mark und Bein ging.
Die Kruste war nun gebrochen, bei ihm, bei mir. Arm in Arm gingen wir auf das Zimmer, in dem unser Abendtisch gedeckt war. Es war ein anderes als jenes, in welchem wir das Mittagsmahl genommen hatten, es war viel einfacher und viel heimlicher. An der Wand fiel mir ein technisch mit Meisterschaft gemachtes Ölporträt meines Gastherrn auf. Wir saßen uns bei etwas gedämpftem Lampenlichte an einem kleinen Tisch gegenüber; sonst war niemand da, und der Mann, der uns bediente, erschien nur, wenn er mit dem Glöcklein gerufen wurde. Die Speisen waren nach Wiener Art zubereitet, und anstatt des aufgeblasenen Champagners stand eine Flasche jenes ehrlichen, männlich herben Rotweines da, wie er in den gottgesegneten Talungen der tirolischen Etsch wächst und wie ich ihn in Gemeinschaft mit Wendel einst so gerne getrunken hatte.
»Nun haben wir uns wieder,« sagte mein Freund und schaute mir mit feuchtem Auge ins Gesicht.