»Ich kann mich immer noch kaum fassen vor Verwunderung, dich so wiederzufinden,« bemerkte ich.
»Mir erging es nicht anders,« sagte er, »aber ich bin in den letzten Stunden, während du dich von den Reisestrapazen ein wenig erholtest, nicht müßig gewesen. Ich habe nach der Art gesucht, die uns wieder zusammenbringen soll, wie wir dazumal beisammen gewesen sind. Offen herausgesagt: mit den ersten Stunden unseres Wiedersehens war ich nicht zufrieden.«
»Ich auch nicht. Aber nun sage mir endlich, Wendel, was um alles in der Welt ist mit dir vorgegangen?«
»Du siehst es,« antwortete er mit einer wehmütigen Miene, »ein reicher Mann bin ich geworden.«
»Das passiert manchem, und geht es gewöhnlich mit so natürlichen Dingen zu, daß man weiter gar nicht darüber spricht. Aber bei dir ist's ein anderes. Du warst stets unpraktisch, hast weder Schick gehabt zum Spiel noch zum Spekulieren, hast, so viel ich weiß, weder ein Los besessen noch einen reichen Onkel. Du hast auch meines Wissens nie ein Interesse gehabt an Geld und Herrlichkeit – Künstler werden wolltest du, diesen Weg sah ich dich von mir fortziehen, nun finde ich einen Millionär. Das geht nicht mit rechten Dingen zu, mein Freund!«
»Du hast eine naheliegende Eventualität nicht erwähnt.«
»Ich weiß es, die reiche Heirat. Doch der Gedanke ist mir zu trivial.«
»So dekoriere ihn mit der Liebe.«
»Wirklich! Nun, die Liebe rentiert eine reiche Heirat immerhin.«
»Und meinst du, daß eine reiche Heirat nicht auch die Liebe rentieren könnte?«