Der Ton und Blick, mit dem diese Worte gesprochen wurden, war verblüffend. Ich schwieg.
»Du hattest damals recht,« fuhr er fort, »ich bin kein Künstler geworden.«
»Aber du bist Mann geworden, das ist mehr.«
»Es mag mehr sein, aber es ist nicht so schön. Freund, wann war ich glücklicher als damals, als ich mich wie ein Bettelvagabund durch die Alpenländer nach Italien schlug! Ich war fest überzeugt, daß meine Rückkehr ein Triumphzug sein würde und daß die abenteuerliche Wanderschaft des Zimmermalers einst ein prächtiges Kapitel in der Biographie des berühmten Künstlers geben müsse. Ein junger Idealist, und wäre es auch nur ein eitler Tropf, nimmt im Reigen irdischer Seligkeit den ersten Platz ein. Ich habe diesen Platz bald verloren. In Mailand auf einer Wand sah ich das Abendmahl – ein Triumph der Zimmermalerei,« setzte Wendel lächelnd hinzu. »Ich griff dort aus Not wieder nach dem alten Gewerbe. Ein Zufall verschlug mich mit einem Arbeitgeber nach Genua und vor dem barocken Denkmale des Kolumbus kam mir der Gedanke, ob ich mich nicht etwa der Bildhauerei zuwenden sollte. Auf jeden Fall wollte ich von hier aus zur See nach Rom gehen, dort weht alte, echte Künstlerluft, die wollte ich erst atmen, das weitere konnte nicht fehlen. Da trat ich eines Tages in ein Gasthaus der Via nuova. Das, Freund, war der erste Schritt nach dem Herrengute Zurkow auf Rügen.«
»Im Gasthause lerntest du sie kennen, nicht wahr?«
»Wen?«
»Die schöne Maid, die mit dem Vater auf Reisen war und die hernach deine Frau wurde.«
»Du dichtest,« sagte Wendel Blees, »aber du dichtest banal. Du mußt schon tiefer ins Unglaubliche.«