Tiefe bodenlose Frechheit des Anfallenden gab dem Grafen das Bewußtsein der Ruhe wieder. Er wehrte sich nicht, er starrte dem Burschen nur wunderlich ins rollende Auge.
»Was – bedeutet denn das, Julian?« fragte er.
»Sagen Sie mir nun einmal ganz ruhig, wo Sie die Schlüssel zur Geldkasse haben.«
»Laß mich los, Unglücklicher!«
»Herr, wenn Sie lärmen wollen!« Der Bursche machte die Miene des Zustoßens.
»Ich meine nur,« fuhr der Graf fort, »wenn du mich nicht losläßt, so kann ich nicht zu Worte kommen. Daß ich nicht Lärm schlage, magst du glauben, dafür ist mir mein Leben zu lieb, und du würdest zehnmal durchs Fenster entspringen können, bevor man zu Hilfe käme. Ich sehe deinen Vorteil recht gut ein.«
»So werden Sie mir die Kasse öffnen.«
Der Graf hatte sich nun vollends gesammelt. »Julian,« sagte er mit einem Humor, den man dem alten Herrn für eine solche Situation nicht zugetraut hätte, »da du dich so gut sichergestellt und auch, wie ich nun sehe, die Pistolen entfernt hast und selbst die Klingelschnur durchgeschnitten, da wir uns recht still verhalten und es noch viele Stunden dauert, bis im Hause der Erste aufwacht, so können wir die Sache ganz bequem machen und alles miteinander wohl überlegen, denn du mußt zugeben, daß es etwas Wichtiges ist, was du vorhast. Ich versuche nicht, dir davon abzuraten, aber ich gebe dir zu bedenken, ob dein Weg bis nach Amerika, – und einen andern kannst du wohl nicht wählen – auch vorbereitet genug ist, daß du ihn von diesem Fenster aus schnurgerade nehmen kannst!«
»Das ist meine Sache, nur habe ich keine Zeit zu verlieren. Also!«
»Ach ja, die Schlüssel! Aber ich fürchte, daß, wenn du die Kasse geräumt haben wirst, dir doch nichts anderes übrig bleibt, als mich tot zu machen. Und insoferne ich väterlich für deine Zukunft besorgt bin, sage ich dir: du könntest gar nichts Schlimmeres tun, als mich zu ermorden!«