»Sie höhnen mich!« knirschte der Kammerdiener, der als Angreifer nun weit erregter war, als der Angegriffene.

»Stoß zu!« sagte der Graf, immer noch ruhig auf seinem Bette liegend, »stoß zu, wenn du's gratis tun willst!«

Das wollte der Bursche allerdings nicht, und fast irre gemacht durch das Verhalten des Grafen, verlangte er in bittendem Tone die Schlüssel zur Kasse.

»Julian!« sagte der Graf und wollte den Burschen an der Hand fassen, während der aber durchaus nicht gesonnen war, von seiner wehrhaften Stellung auch nur den geringsten Vorteil aufzugeben.

»Du hast recht, Julian,« fuhr der Graf fort, »ich gestatte dir, daß du mich fesselst, aber den Mund laß mir frei, ich habe dir einiges zu sagen, was für dich nicht unwesentlich ist. – Dort in der Ecke steht die Kasse, die Schlüssel kann ich dir auch angeben, ja selbst die geheimen Kunstgriffe, ohne welche das Ding nicht zu öffnen ist, möchte ich dich lehren, allein du würdest über den Inhalt des Schrankes enttäuscht sein. Zumeist sind es Papiere, mit denen ein Flüchtling nichts anzufangen weiß, das vorhandene Bargeld dürfte dich zur Not nach Neuyork bringen, aber nicht weiter. Und in diesem Lande wird nach meinem Tode das Gericht ein Testament öffnen, das schon seit sechs oder sieben Monaten geschrieben ist und in welchem der unglückliche Graf Borgstam, als der letzte, seinen Kammerdiener Julian Zellenbach zum Universalerben einsetzt. Ein Duplikat des Testamentes wirst du in der Kasse finden.«

»Wir werden uns überzeugen.«

»Gut, Junge. Aber was nützt das? Ich sehe es ein, du meinst, du könntest jetzt nicht mehr zurück.«

»Sie sehen es selbst ein, Herr Graf.«

»Vielleicht aber doch, wenn wir die Sache erörtern. Denn es wäre jammerschade, wenn du über die Flucht wegen der Kleinigkeit die dir einst rechtmäßig zufallenden Güter im Stiche lassen müßtest.«