»So töricht bin ich nicht, daß ich mich durch solche Märchen hinhalten lasse,« sagte der Kammerdiener in verschmitztem Tone.
»Es tut mir leid,« fuhr der Graf fort, indem er sich unter dem drohenden Messer nun einmal ein wenig zurecht rückte, »ich würde dich gerne von der Richtigkeit meiner Worte überzeugen, aber du bist ein toller Junge und stoßest aus Angst schließlich doch noch deinen leiblichen Vater nieder.«
Das Bekenntnis war heraus, allein es wurde darum die Unterhaltung nicht wesentlich gemütlicher.
»Ich habe mancherlei an dir erlebt, mein Sohn,« fuhr der Graf fort, »und ich habe dir außerdem noch mancherlei zugetraut; allein ein Raubmörder, das berührt mich unangenehm. Man kann Leute töten und Güter konfiszieren, so viel man will, aber auf ritterliche Weise, wie wir's getan haben. – Doch dir mangelte die standesgemäße Erziehung und ich habe dich leider aus den Augen gelassen und jahrelang aus den Augen verloren; was ich konnte, habe ich dann ohnehin getan.«
Nun war denn doch der scharfe Hirschfänger in der Faust des Kammerdieners etwas locker geworden. Er trat einen Schritt vom Bette zurück und sagte mit heiserer Stimme: »Erheben Sie sich und zeigen Sie mir das Dokument, denn Sie werden begreifen, daß ich mich sichern muß.«
»Daran tust du wohl. Nur möchte ich wissen,« sagte der Graf und machte Anstalten, aufzustehen, »ob dir niemals eine Ahnung gekommen ist von unserer – Zusammengehörigkeit?«
»Mag sein,« antwortete der Bursche, »momentan handelt es sich aber darum, daß ich mich assekuriere. Hierher, wo ich Sie jetzt habe, dürfte ich Sie sobald nicht mehr kriegen.«
»Das Vernünftigste ist, du gehst zu Bette,« so nun der väterliche Rat, »und keine Seele soll wissen, was in dieser Nacht zwischen uns vorgefallen.«
»Aber Sie werden umso sicherer daran denken, mein Herr, und werden mich enterben oder mich aus dem Wege schaffen, auf welchem ich Ihnen nun unbequem sein muß.«