Hierauf ging er mit mir und wies mehrere Stellen, die ein vielfaches Echo hatten. Dabei merkte ich, daß er mit der Gegend einigermaßen bekannt war und es war überhaupt vernünftig und unauffallend, was er sprach, und stand es zu seinem verwahrlosten Wesen, zu seinem verstörten Gesicht im Widerspruch. Das lange rote Haar und der volle Bart, der das blasse eingefallene Gesicht wie eine Wildnis umwucherte, war verworren und es klebten Baumnadeln und Sandkörner daran.
Da er keinen Hut hatte, so fragte ich ihn, ob selbiger denn vom Winde entführt worden wäre?
»Ha, ha,« lachte er, »alles frägt nach dem Hute, als ob der Hut das wichtigste wäre an einem Menschen. Ja, es ist mir einmal einer auf dem Kopf gesessen. Vielleicht schwimmt er unten im See, wenn Sie ihn haben wollen.«
»Mir geht's nicht um den Hut,« war meine Entgegnung, »aber wenn ich Sie nach Ihrem Kopf gefragt hätte, wer weiß es, ob Sie mir Bescheid gegeben!«
Auf das antwortete er nichts, sondern ging still vor mir her, der Steig zwischen dem Gestein und Gezirme war sehr schmal. Plötzlich – wir waren so weit in das Hochplateau hineingekommen, daß man nicht mehr zum See und zum Kloster hinabsehen konnte – blieb mein Begleiter stehen, kehrte sich um gegen mich und sagte: »Wenn Sie klug wären, hätten Sie mich jetzt von hinten niederschießen müssen.«
»So? Sie halten mich für einen Banditen?«
»Ei, was Sie denken!« rief er und legte seine Hand wie besänftigend auf meinen Arm. »Sie sind ein braver Mann und gerade darum sollten Sie an mir ein gutes Werk tun. Ich bin ein Tor, ich bin dem Wahnsinn nahe, aber ich weiß noch ganz genau, was ich will und habe das Endziel meines Lebens nicht aus den Augen verloren. Leider Gottes, es geht mir nach dem Worte der Schrift: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.«
Er setzte sich auf einen breiten Stein, der schief aus der Erde hervorragte. Ich setzte mich ihm gegenüber auf einen zweiten Stein und bot dem Gefährten meine Feldflasche an.
Er tat daraus einen durstigen Zug und der Klosterwein brachte seine Mitteilsamkeit in ganz ungeahnter Weise zum Rieseln. Nachdem er mehrmals getrunken, sagte er: »So ist das jetzt schon der dritte Monat, seit ich Almosen nehme. Wer hätte sich das je gedacht, daß die Liebe zum elenden Leben stärker sein soll als der Stolz des Millionärs, als die Weltverachtung eines alten Lumpen! Wer hätte sich das gedacht! Aber ich sage es: das ist noch das Erbärmlichste unter allem Erbärmlichen am Menschen, daß er feig ist – eine feige Bestie. – Also im Kloster erwartet man mich!«