»Und spricht von Ihnen,« setzte ich bei, »und ich muß gestehen, daß auch ich seit ein paar Tagen oft an Sie denke.«
»Sie denken an mich. Das ist schön.«
»Nach dem, was man von Ihnen erzählt, vermute ich, daß Ihnen die Leute übel mitgespielt haben.«
»Die Leute, meinen Sie! Wenn das wäre, so könnte ich mich rächen!« rief der rätselhafte Mann lebhaft und wühlte mit den Fingern in seinem Vollbart, was er allemal tat, so oft er in Erregung kam; »leider bin ich es selber, der mir schlimm mitgespielt hat und den ich nun mit dem Tode bestrafen soll, weil er einen Menschen zugrunde gerichtet hat – sich selber.«
»Daß Sie der guten Gesellschaft angehören, ist mir kein Zweifel,« sagte ich.
»Der guten Gesellschaft!« lachte er auf.
»Ihrer Aussprache nach sind Sie ein Wiener.«
»Nur ein halber. Ein geborener Prager, studierte in Berlin. Als mein Vater starb, war ich dreiundzwanzig Jahre alt und Erbe einer Million. Allsogleich hub ich ein standesgemäßes Leben an, machte Streiche, ward relegiert und ging nach Wien. In Wien lebt sich's flotter, das Studium gab ich auf, nachdem ich zweimal gefallen war. Ich fand Genossen, die hatten einen guten Grundsatz, der gefiel mir: Die Million verjuxen und sich dann erschießen!«
Mit zynischer Gebärde wühlte er wieder in seinem Bart, als wäre ihm das eine wie das andere zur Lust, schlenkerte die Arme aus, schnalzte mit den Fingern und wieherte: »Die Million verjuxen und sich erschießen!«